Heey c:
Da hier fleißig diskutiert wird und ich nicht alle Argumente bzw alle Fakten noch einmal aufzählen will, möchte ich einfach mal meine "Lage" momentan schildern, wie es bei uns, in einer rheinländischen Stadt, aussieht.
Zuallererst muss ich sagen, dass ich von der politischen Lage herzlich wenig Ahnung habe, bei Fehlern dürft ihr mich gerne verbessern ^^
Und zwar sieht es momentan so aus:
Schon vor den Ferien musste ich mit meiner ganzen Gruppe aus dem Sportverein die Turnhalle wechseln, da die Halle für Flüchtlinge gebraucht wurde und auch immer noch wird. Die Halle ist zwar nur auf der anderen Seite der Straße, aber durch die Dreiteilung (ihr kennt doch bestimmt dreigeteilte Sporthallen, oder?

) ist sie sehr viel kleiner und - so war es die ersten Male - einfach belegt, wenn wir eigentlich Sport hatten. Das Ganze wirkte so, als wären die Flüchtlinge gekommen und jemand (der Bürgermeister?) hätte gesagt: "Die kommen jetzt in diese Sporthalle! Die Vereine gehen halt in die Halle gegenüber." Soweit, sogut. Allerdings klingt es auch ganz so, als hätte man keinerlei Zeit gehabt, die Termine für eben diese Sporthalle "gegenüber" zu koordinieren, was jetzt letztendlich dazu geführt hat, dass ich den Verein verlassen habe, da es einfach nur noch langweilig wurde, ständig mit einem viel größeren Sportverein in einer winzigen Halle zu sein.
Das Problem hat sich bis heute (3 Monate später circa) nicht geregelt. Die Flüchtlinge (manchmal kann man in die Halle reinschauen, die Tür ist kaputt, davor hängt nur ein langes braunes Stofftuch) liegen dort auf Matratzen auf engstem Raum, Familien mit Kindern, alle eng zusammengequetscht. Die Menge an Flüchtlingen kann ich da kaum schätzen, allerdings dürften es nicht allzu wenige sein.
Als wäre das nicht das Schlimmste, kommt noch hinzu, dass die Toiletten seit nunmehr 2 Jahren kaputt sind. Das weiß ich, da ich selber ja mal dort war ^^ Wir haben dieses Problem ziemlich oft gemeldet, aber geändert hat sich in über zwei Jahren rein gar nichts. Ich weiß es zwar nicht, aber ich würde vermuten, dass es bis heute noch so ist. Und wieso? Ganz einfach: Vor der Sporthalle fließt ein Bach und... naja, man sieht halt, dass die Leute sich eher dort erleichtern.
Ich habe jetzt schon eine Menge zu dieser einen Turnhalle geschrieben. Es gibt noch eine oder zwei weitere (bin mir nicht mehr sicher), die ebenfalls auf die gleiche Weise zweckentfremdet wurden, darauf will ich aber jetzt gar nicht eingehen ^^
Eher ist es mir wichtiger, von unserem Flüchtlingsheim zu erzählen. Das steht unweit der Hauptstraße hinter einer Baumreihe und man sieht es kaum von der Straße aus.
Jedenfalls führt mein Weg in die Stadt immer an dieser Abzweigung zum Flüchtlingsheim vorbei. Vor ein paar Jahren kamen wir immer ab und zu Flüchtlinge entgegen, darunter auch immer ein Vater mit 7 Kindern, davon 5 schulpflichtig, eines im Kindergarten und das letzte war ein Baby. Der hat morgens immer seine Kinder zur Schule gebracht und tut dies auch heute noch.
Allerdings sieht man den Mann kaum noch, da die gesamte Hauptstraße regelrecht "belagert" ist. Ich will jetzt absolut nicht gemein sein, aber es ist die bittere Wahrheit: Bin ich auf dem Weg zu einer Freundin, darf ich auf dieser Passage regelrechten Massenansammlungen von Flüchtlingen ausweichen, die allesamt auf klapprigen, alten und beinahe auseinanderfallenden Fahrrädern Dinge transportieren, die einige Kilometer weiter von Sozialdienststellen (keine Ahnung, wie man die richtig nennt; So "Geschäfte", wo für wenig Geld Kleidung und Essen etc. verkauft wird) gekauft wurden. Einmal wurde sogar eine ganze Waschmaschine (kein Scherz) mit Seilen am Gepäckträger festgebunden und so über die Hauptstraße befördert...
Ebenso sind Deutschkurse komplett ausgebucht... In der Zeitung wird nach Leuten gesucht, die möglichst eine der "Flüchtingssprachen" und Deutsch oder Englisch beherrschen, und bei uns an der Schule sind regelmäßig Räume blockiert, um dort den Flüchtlingen Deutsch beizubringen. Das finde ich soweit ganz gut,
aber: das zeugt nur davon, wie ausgelastet die vielen Deutschkurse der Volkshochschule sind. Da ich dort selber öfters bin, konnte ich mir bereits ein Bild davon machen, wie die Kapazitäten längst überstrapaziert sind.
Die europäische Politik hat was das angeht komplett versagt.
Da stimme ich dir ohne Zweifel zu. Klar, wir sind quasi dazu verpflichtet, Flüchtlinge aufzunehmen, aber irgendwann sind tatsächlich Grenzen erreicht. Wenn Flüchtlingsheime voll sind, mögen eventuell Turnhallen als nächste Alternative infrage kommen, aber:
Ich meine das ist doch keine dauerhafte Lösung, bald kommt der Winter, wo sollen dann die Flüchtlinge hin, es ist einfach komplett undurchdacht.
Auch hier muss ich dir komplett zustimmen. Dazu kann ich mal ganz kurz erzählen;
Bei einer dieser Sozialstellen wird auch Kleidung verkauft. Viele der Flüchtlinge stammen ja aus dem Süden, wo es logischerweise ungleich wärmer ist als hier bei uns in Deutschland. Da stand eine syrische Flüchtlingsfamilie, Vater, Mutter, 5 Kinder, vor dem Eingang. Die Mutter hat sich in die ewig lange Schlange eingereiht, und der Vater stand bei den Kindern, schätzungsweise im Alter von 2-8. Alle fünf hatten Wollmützen auf dem Kopf, weil sie wärmere Temperaturen aus Syrien gewohnt sind und ihnen wohl schon sehr kalt war. Dabei war das Ende August, wo es für unsere Verhältnisse noch ziemlich warm war.
Das, was für uns schon kalt ist, muss für diese Leute ungleich noch viel kälter sein und so würde es mich nicht wundern, wenn in den Turnhallen und Zeltplätzen, von denen wir glücklicherweise (noch) keine haben, die Menschen der Reihe nach erfrieren.
Fakt ist dass endlich mal Lösungen her müssen, wir haben hier ein riesiges Problem das droht ungeahnte Ausmaße anzunehmen, es muss endlich mal etwas entschieden werden, und nicht nur geschwiegen.
Und es muss klar gestellt werden, dass hier eben nicht jeder aufgenommen werden kann.
Andere europäische Länder sind noch überforderter, z.B Griechenland, dort kommen viele Flüchtlinge an und das Land ist eh schon extrem arm und kann ihnen keine Unterkunft bieten, die Leute sitzen dort auf der Straße. Für mich ist es also vollkommen verständlich, dass Länder ihre Grenzen dicht machen, um den Strom zu kontrollieren/zu unterbinden.
Entspricht ebenfalls vollends meiner Meinung. Wir können nicht
immer nur Rücksicht auf andere nehmen und aus Mitleid hunderttausende Menschen aus eben solchen Ländern bei uns aufnehmen.
Ich sehe dort genau zwei Szenarien:
- Wir nehmen weiterhin alle Flüchtlinge brav auf und "packen" sie in Turnhallen, woraufhin bald der Kollaps bevorsteht. Menschen können sich nicht wie Holzbretter stapeln und durch die Kälte etc. werden viele Menschen erfrieren bzw. eventuell Unterkühlungen erleiden und in Krankenhäuser eingewiesen werden (kommt in etwa das Gleiche bei heraus). Heißt: Wir sind die Bösen, weil wir ihnen nicht geholfen haben.
- Wir machen ebenfalls die Grenzen dicht; "Unsere Kapazitäten sind erreicht!" Auch hier: Wir sind die bösen reichen Deutschen, weil wir die Flüchtlinge nicht mehr aufnehmen.
Im Endeffekt kann man sagen, was du bereits getan hast:
Meiner Meinung nach könnten wir unsere komplette Regierung austauschen
Aber da ich, wie schon erwähnt, sehr wenig Ahnung von der politischen Lage habe, belasse ich es einmal bei der Erwähnung ^^
Ich habe jetzt einen viel zu langem Text geschrieben, das tut mir wirklich leid. Wer sich das jetzt alles wirklich durchliest: Respekt an dich! 