Forenspiel: Ironie & Sarkasmus

Und Natürlich noch das hier:

Der Begriff Sarkasmus bezeichnet beißenden, bitteren Spott und Hohn, in der Literatur oft in Form der Satire oder – verschärft – der Polemik angewandte Form der Kritik an gesellschaftlichen Gegebenheiten unterschiedlicher Art. Sarkasmus ist einlatinisiertes griechisches Substantiv (σαρκασμός sarkasmós „die Zerfleischung, der beißende Spott“, von altgriechisch sarkazein „sich das Maul zerreißen, zerfleischen, verhöhnen“, von σάρξ sarx „das (rohe) Fleisch“). Die Redefigur des Sarkasmus fand schon in der antiken Rhetorik (z. B. Demosthenes, Cicero) Verwendung.



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Erscheinungsformen[Bearbeiten]
Sarkasmus, also beißender Spott, kann durch direkte Aussage des Gemeinten oder mittels Ironie ausgedrückt werden. So zum Beispiel in diesen Sätzen:

A: „Es gibt viele Psychotiker, die keinen Leidensdruck verspüren.“ B: „Es sei denn, sie kommen in die Psychiatrie.“[1]
Wird Sarkasmus mittels Ironie ausgedrückt, also mit einer Bedeutungsumkehr der Aussage, wird diese oft durch einen besonderen Tonfall verdeutlicht. Ein Beispiel:

Anstatt zu arbeiten, sitzt ein Arbeiter auf einer Bank und ruht sich aus. Sein Chef sieht das und sagt zu ihm: „Überarbeiten Sie sich bloß nicht.“
Um Ironie erkennen zu können – ob sarkastisch (also beißend spöttisch) oder nicht-sarkastisch intendiert – müssen verschiedene Teile des Gehirns zusammenarbeiten. Wenn eine Person die soziale Situation nicht versteht (beispielsweise wegen einer Informationsverarbeitungsstörung im Gehirn wie bei Autismus, wegen einer Beschädigung der vorderen Gehirnlappen oder wegen fehlender Übung oder Intelligenz), kann sie Ironie – und damit auch ironischen Sarkasmus – nicht als solche identifizieren.[2][3][4]

Autoren fällt es oft schwer, Ironie als solche zu kennzeichnen, so dass auch ein gesunder Leser sie oft nicht richtig einordnen kann. So führte ein laut Autor sarkastischer Diskussionsbeitrag in einem Internetforum zu einer Anklage gegen ihn – mangels ausdrücklicher Distanzierung von der Aussage durch Kennzeichnung als Ironie.[5]

Abgrenzung[Bearbeiten]
Sarkasmus und Spott[Bearbeiten]
Da die Absicht eines Spottes nur dem Spötter selbst bekannt ist, ist eine Unterscheidung von außen äußerst schwierig. Den Begriffen gemeinsam ist die Tatsache, dass der Angreifer weniger Gegenangriffsfläche bietet, als wenn er sachlich vorgehen würde.

Spott ist häufig offener und eindeutiger als Sarkasmus; letzterer ist oft subtiler und doppeldeutig. Deshalb kann mancher Sarkasmus z. B. ein diktatorisches Regime kritisieren, ohne dass der Absender der sarkastischen Nachricht im Gefängnis landet.

Sarkasmus und Ironie[Bearbeiten]
Umgangssprachlich wird Sarkasmus oft als Form der Ironie betrachtet[6] oder Ironie als eine nette Variante und Sarkasmus demgegenüber als dem Angriff dienend aufgefasst, teilweise gar als Spott und Angriff streng von Ironie abgegrenzt.[7] Tatsächlich ist Ironie jedoch eine Technik, ein Mittel, etwas auszudrücken, während Sarkasmus eine bestimmte Absicht einer Aussage beschreibt, unabhängig von sprachlichen Mitteln, mit denen sie formuliert wurde. Ironie bezeichnet Aussagen, die als das Gegenteil des tatsächlich Gemeinten formuliert werden; dies kann zum Schutz des Sprechers verhüllend sein oder die Aussage verstärken. Sarkasmus ist bitterer, beißender Spott – unabhängig davon, wie das Gemeinte ausgedrückt wird, ob direkt oder indirekt mittels Ironie.

Für Arthur Schopenhauer ist Ironie objektiv. Sie verweist durch Über- oder Untertreibung auf die Kehrseite, wobei sie die Ianusnatur der Erscheinungen humorvoll gelten lässt. Sarkasmus dagegen ist einseitig; seine Fokussierung der Kehrseite zielt auf Vernichtung.

Sarkasmus und Zynismus[Bearbeiten]
Zynismus ist – im Unterschied zu Sarkasmus – kein bitterer Spott, sondern eine Haltung, die zentrale Normen und Moralvorstellungen verwirft und für lächerlich hält. Zynismus bezeichnet also ein charakterliches Phänomen; dieses kann sich in Zynismen äußern, die von sarkastischen Bemerkungen nicht immer unterschieden werden können.

Obwohl der Unterschied zwischen den Begriffen Sarkasmus und Zynismus also sehr aussagefähig ist, verzichten heute viele Sprecher des Deutschen (aus Unkenntnis) auf ihn. Diejenigen Sprecher, die diesen Bedeutungsunterschied nutzen wollen, stehen daher vor der kommunikativen Situation, dass ein entscheidender Aspekt ihrer Aussage wahrscheinlich missverstanden oder nicht wahrgenommen wird.

Sarkasmus und Sardonismus[Bearbeiten]
Sardonismus (in Verbindung mit Gelächter) bezeichnet im Unterschied zum Sarkasmus keinen höhnischen oder hämischen, sondern einen grimmigen, schmerzvollen Spott.

Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
Weblinks[Bearbeiten]
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Wikiquote: Sarkasmus – Zitate
Einzelnachweise[Bearbeiten]
  1. Goeben/Scheele, zitiert in: Edgar Lapp: Linguistik der Ironie (Seite 109), Gunter Narr Verlag, 1992, ISBN 3-8233-4224-X.
  2. Wie der Geist Sarkasmus versteht. Spiegel Online, 23. Mai 2005, abgerufen am 27. November 2014.
  3. Forscher lokalisieren Ironie- und Sarkasmusverständis. pressetext.com, 23. Mai 2005, abgerufen am 27. November 2014.
  4. Sarkasmus sitzt hinter der Stirn. scinexx.de, 24. Mai 2005, abgerufen am 27. November 2014.
  5. Christoph Seidler: Wie sarkastisch darf Sarkasmus sein? Spiegel Online, 7. Januar 2003, abgerufen am 27. November 2014.
  6. Edgar Lapp: Linguistik der Ironie, Gunter Narr Verlag, 1992, ISBN 3-8233-4224-X, S. 109–111.
  7. Alex Aßmann: Pädagogik und Ironie, VS Verlag, 2008, ISBN 3-531-15972-0, S. 25.
 
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Ironie



Beispiel für Ironie (etwa: „Ich kann mir kein richtiges Schild leisten“)
Ironie (griechisch εἰρωνεία eironeía, wörtlich „Verstellung, Vortäuschung“) bezeichnet zunächst eine rhetorische Figur (auch als rhetorische Ironie oder instrumentelle Ironie bezeichnet).[1] Dabei behauptet der Sprecher etwas, das seiner wahren Einstellung oder Überzeugung nicht entspricht, diese jedoch für ein bestimmtes Publikum ganz oder teilweise durchscheinen lässt. Sie kann dazu dienen, sich von den zitierten Haltungen zu distanzieren oder sie in polemischer Absicht gegen angesprochene Personen zu wenden.

Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts bezeichnet Ironie auch eine literarisch-philosophische Haltung (romantische Ironie), in der das Kunstwerk seinen eigenen Entstehungsprozess mit darzustellen scheint.

Darüber hinaus ist eine Verwendung von Ironie für Ereignisfolgen gebräuchlich, bei denen Absicht und Zufall auf besondere Weise aufeinander bezogen sind (entweder antizipatorisch oder antagonistisch). Dabei ist auch von „Ironie des Schicksals“, „Ironie der Geschichte“ oder „Ironie des Lebens“ die Rede (objektive Ironien).

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Rhetorische Ironie
Die einfachste Form der rhetorischen Ironie besteht darin, das Gegenteil dessen zu sagen, was man meint. Um Missverständnissen vorzubeugen, kann Ironie dabei von sogenannten Ironiesignalen (Mimik, Gestik, Betonung, Anführungszeichen usw.) begleitet sein, die den Zuhörer erkennen lassen, dass der Sprecher das Gesagte nicht wörtlich, sondern ironisch verstanden wissen will.

In der Regel beruht das Verstehen von Ironie darauf, dass Sprecher und Hörer wissen, dass sie bestimmte Überzeugungen teilen, man spricht auch von „geteilten Wissensbeständen“. Die ironische Äußerung verstößt anscheinend gegen den gemeinsamen Kenntnisstand: der Sprecher verletzt die Erwartung des Hörers, dass gemeinsame Wissensbestände beachtet werden. Als theoretisches Modell zur Erklärung der Entschlüsselung der ironischen Äußerung gilt die Theorie der konversationellen Implikaturen von Paul Grice. Diese Theorie liefert Kriterien zur Entdeckung, jedoch keinen Hinweis auf die Funktion der Ironie.

In der Linguistik wird diese Funktion als Bewertungskommunikation diskutiert.[2][3] Die ironische Äußerung bringt indirekt Wertungen zur Sprache, die mit dem Inhalt der geteilten Wissensbestände verbunden sind. Warum Ironie die gemeinte Bewertung nicht direkt, sondern indirekt ausdrückt, ist bisher nicht abschließend geklärt. Derzeit werden mehrere Ansätze parallel verfolgt: Die Anzeige einer Bewertungskluft zwischen dem Geschehen und Gemeinten[4] oder die Kommunikation zusätzlicher Beziehungsbotschaften. So kann Ironie auf der Beziehungsebene Einvernehmlichkeit kommunizieren, indem ein geteilter Wert grundsätzlich bestätigt, in der konkreten Situation aber dem Anderen zuliebe zurückgenommen wird. Der ironisch Sprechende zeigt durch die ironische Indirektheit an, dass er den ironisch Kritisierten als einsichtig einschätzt und er auf direkte Kritik verzichten kann.[5] Obwohl Ironie Bewertungskommunikation ist, müssen die fraglichen Bewertungen nicht von Sprecher und Hörer geteilt werden. Zum Verständnis der Ironie reicht es aus, dass beide um die Bewertung des anderen wissen.

Die erfolgreiche Verwendung von Ironie zeugt nicht nur von der erfolgreichen Reflexion des eigenen Wissens, sondern auch vom erfolgreichen Erkennen des Wissens des Gegenübers und ist daher Ausdruck der Fähigkeit, die Gedanken des anderen vorwegzunehmen und zu reflektieren. Im Diskurs wird dieses Ausdrücken von intellektueller Überlegenheit teilweise selbst wieder funktionalisiert. In hierarchischen Situationen, z. B. Dozent-Student, spricht man in diesem Zusammenhang auch vom „Ironierecht“, das fast ausnahmslos dem höhergestellten Kommunikationspartner zusteht.

Beispiele von Ironie
  • A hat einen Stapel Geschirr fallen lassen. Daraufhin sagt B: „Prima machst du das!“ – Das geteilte Wissen besteht in diesem Fall darin, dass sowohl A als auch B wissen, dass es keineswegs lobenswert ist, einen Stapel Geschirr fallen zu lassen. Indem B ein vermeintliches Lob ausspricht, beachtet er dieses Wissen scheinbar nicht. Die Erkennung der Verstellung beruht darauf, dass der Hörer dies ebenfalls weiß und darüber hinaus auch weiß, dass der Sprecher dies weiß.
  • Ein Familienvater rügt eine Geldausgabe mit der Äußerung: „Wir haben’s ja.“ – Der Vater geht hier davon aus, dass das Kind um die Beschränktheit der finanziellen Mittel der Familie weiß. Beide müssen über dieses gemeinsame Wissen verfügen.
  • Die häufig gegebene Definition des gegenteiligen Meinens des Gesagten trifft das Wesen der Ironie nicht ganz: Die Frage nach den Fähigkeiten eines (stets gut gekleideten) Politikers wird mit „Er ist stets außerordentlich gut gekleidet.“ beantwortet. – Dies ist ein als Lob verkleideter Tadel. Indem lobend eine unwesentliche Fähigkeit als die wichtigste herausgestellt wird, wird ironisch angedeutet, dass es mit anderen, relevanteren Fähigkeiten nicht weit her ist.
Verstehensmodell
Die ironische Äußerung verstößt gegen geteilte Wissensbestände, von deren Geteiltheit Sprecher und Adressat wissen. So müssen im zweiten obigen Beispiel Vater und Kind beide davon ausgehen, dass die finanziellen Mittel der Familie beschränkt sind. Die Äußerung des Vaters „Wir habens ja“ ist in ihren Augen falsch. Da das Kind weiß, dass dem Vater bekannt ist, dass es dies ebenfalls glaubt, kann es nicht annehmen, dass der Vater sich irrt oder lügt, sondern es muss glauben, dass er absichtlich etwas Falsches sagt, ohne täuschen zu wollen. Aus seiner Sicht verstößt das Gesagte gegen die Grice’sche Konversationsmaxime der Qualität, „Versuche einen Gesprächsbeitrag zu liefern, der wahr ist“. Da nach dem Kooperationsprinzip das Kind davon ausgeht, dass der Vater ihm etwas mitteilen will und dabei an die Wissensbestände des Kindes anknüpft, versucht das Kind jetzt einen Sinn zu konstruieren. Dazu muss es eine Implikatur bilden, sodass mit diesem erschlossenen Gemeinten die Aussagen den Konversationsmaximen genügt. Nach dem Grice’schen Kommunikationsmodell geschieht dies dadurch, dass der Hörer versucht, die mit der Äußerung verbundene Intention des Sprechers herauszufinden.

Welchen Zweck verfolgt der Vater gegenüber dem Kind, wenn er absichtlich etwas Falsches sagt? Indem erkannt wurde, dass die Äußerung unwahr ist, musste sich das Kind bewusst machen, dass die finanziellen Mittel der Familie beschränkt sind. Nun aktiviert das Kind weiteres Weltwissen, z. B. „Man darf keine unnützen Ausgaben machen“ oder „Väter erziehen ihre Kinder, u. a. zur Sparsamkeit“. Aus diesem Weltwissen heraus erkennt das Kind jetzt die Intention des Vaters, das Kind darauf hinzuweisen, dass man generell keine unnützen Ausgaben machen soll, auch wenn es in diesem Einzelfall geschehen ist. Es fühlt sich ermahnt, in Zukunft derartige Ausgaben zu vermeiden, und hat somit das ironisch Gemeinte erschlossen.

Misslingen der Ironie im Verstehensmodell
Das Verstehensmodell ist mehrstufig und auf jeder Stufe gibt es mögliche Ursachen für das Misslingen der Ironie, das Missverstehen der ironischen Äußerung.

  • Die Wissensbestände sind doch nicht geteilt: Ginge im Beispiel das Kind beispielsweise fälschlicherweise davon aus, dass die Familie reich wäre, hätte der Vater sich somit geirrt, so misslänge die Kommunikation, da aus Sicht des Kindes der Vater gegen die Maxime der Quantität verstoßen hätte, dass also aus dieser Sicht die Äußerung keine neue Information enthielte. Das Kind würde also versuchen einen Sinn darin zu finden, dass der Vater etwas Selbstverständliches sagt. Dies wäre in jedem Fall nicht das ironisch Gemeinte, im Falle, dass die Konstruktion eines Sinnes misslänge, verstünde das Kind einfach nur „Bahnhof“.
  • Der Adressat weiß doch nicht um die Geteiltheit des Wissens: Wüsste im Beispiel das Kind zum Beispiel von der Mutter um die Beschränktheit der finanziellen Mittel, und dass der Vater häufig so tut, als wäre er reich, so würde das Kind davon ausgehen, dass der Vater es anlügt, um vor dem Kind als reich dazustehen.
  • Das Kind ist (noch) nicht in der Lage, die Intention des Vaters zu konstruieren: Hat das Kind erkannt, dass der Vater absichtlich etwas Falsches gesagt hat, so muss das Kind gemäß obigem Modell versuchen, die Intention hinter der Äußerung zu erkennen. Hat das Kind beispielsweise noch nicht ausreichendes Weltwissen, hat zum Beispiel ein Kind bisher immer nur gesehen, dass das Geld aus dem Geldautomaten kommt, weiß es noch nicht, dass man keine unnützen Ausgaben tätigt usw., so kann es noch nicht die richtige Intention erschließen bzw. erkennen. Beispielsweise würde es stattdessen meinen, der Vater würde irgendeinen Scherz machen. Das Kind ist noch nicht ironiefähig, da es noch nicht in der Lage ist, komplexe Sprecherintentionen zu erkennen.[6][7]
Sokratische Ironie
Als sokratische Ironie bezeichnet man häufig ein sich klein machendes Verstellen (man stellt sich dumm), um den sich überlegen wähnenden Gesprächspartner in die Falle zu locken, ihn zu belehren oder ihn zum Nachdenken zu bringen. Gemeint ist hiermit ein echtes Verstellen, das im Gegensatz zur rhetorischen Ironie nicht unbedingt als Verstellung erkannt werden will. Dieser Ironiebegriff entspricht der Bedeutung zur Zeit Sokrates’ und auch noch Aristoteles’.[8] Erst mit der Ausbildung der Rhetorik bekam der Begriff der Ironie seine heutige Bedeutung. Als echtes Verstellen galt in der Antike die Ironieverwendung auch als moralisch verwerflich. Sokrates bezeichnete seine Art der Gesprächsführung als Hebammenkunst (Mäeutik). Die sokratische Ironie ist allerdings eine Fehlinterpretation von außen, z. B. aus Sicht des Alkibiades in Platons Symposion, und keine Beschreibung von Sokrates’ wahrer Einstellung. Tatsächlich verstellte sich Sokrates nicht; er war von seinem Nichtwissen überzeugt[9] (zur weiteren Diskussion der Frage „Verstellen“ versus „Echtes Nichtwissen“ → Sokrates: Abschnitt Sinn und Methode Sokratischer Dialoge). Der Philosoph ist kein Weiser, er strebt nach Weisheit. Im alltäglichen Sprachgebrauch wird mit dem Begriff der sokratischen Ironie aber doch zumeist auf ein echtes sich klein machendes Verstellen verwiesen.

Objektive Ironien und Ironiker
Anfang des 19. Jahrhunderts wurde im Zusammenhang mit der Diskussion um die romantische Ironie die objektive Ironie als allgemeines, metaphysisches oder geschichtsphilosophisches Prinzip entwickelt. Die Ironie wird losgelöst von der verbalen Ironie und man sieht jetzt auch Ironie in Dingen, in Pseudoobjekten, welche kein Bewusstsein haben, z. B. in der Welt, im Schicksal, der Geschichte, der Natur, in Situationen, im Kosmos. Die sich hieraus ergebenden Ironien, die Ironie der Welt, Ironie des Schicksals, Ironie der Geschichte usw., werden, da es kein ironisches Subjekt gibt, als objektive Ironien bezeichnet. Diese objektiven Ironien benötigen stets einen Zuschauer, ein Subjekt, den Ironiker, welcher die Ironie bemerkt.[10] Der Ironiker in diesem Sinne ist jemand, der in der Welt den Widerspruch zwischen Ideal (als dem gemeinhin Erwarteten) und Wirklichkeit als eine objektive Ironie erkennt.[11]

Ausdrucksformen im Text
Belletristik
In der Literatur kommt Ironie in allen Formen vor: Zum einen wird rhetorische bzw. sokratische Ironie in Unterhaltungen z. B. zwischen Romanfiguren inszeniert. Hierbei kümmert sich der Autor dann auch darum, dass der Leser erkennt, dass die Romanfiguren rhetorisch bzw. sokratisch-ironisch kommunizieren. Andererseits ist Literatur auch eine monodirektionale Kommunikation zwischen Autor und Leser. Hierbei gibt es bezüglich der Verwendung von rhetorischer Ironie das Problem, dass der Autor im Allgemeinen keine Kenntnis vom Wissensstand des Lesers hat. Dieses Problem kann der Autor z. B. dadurch lösen, dass er den Leser zunächst auf gleiche Augenhöhe bringt, sich also darum kümmert, dass der Leser über das nötige Wissen zur Entschlüsselung der Ironie verfügt. In der anspruchsvollen Literatur jedoch wird die Verantwortung für das Erkennen und Entschlüsseln der Ironie (z. B. durch genaues Studium von Werk, Autor und Literatur im Allgemeinen) ausschließlich dem Leser übertragen. Dabei nimmt der Autor bewusst in Kauf, dass seine Ironie nicht von jedem verstanden wird (was immer wieder vorkommt; siehe beispielsweise die Fernsehsendung Ein Herz und eine Seele).

In der Literaturkritik ist eine weitere Form von Ironie von Bedeutung: In der Romantik wurde mit Ludwig Tieck, besonders aber mit Friedrich Schlegel, der Begriff der Ironie um eine literarische Haltung erweitert, die später als romantische Ironie bezeichnet wurde. Diese zeichnet sich durch eine Distanz zum eigenen Werk aus, die beispielsweise dadurch erreicht wird, dass der Schaffensprozess selbst thematisiert wird, etwa durch Einflechten von Reflexionen über das Schreiben des aktuellen Romans. Das Adjektiv „romantisch“ verweist hier auf das erste Auftreten des Begriffs.

Allerdings ist der Begriff der romantischen Ironie nicht eindeutig. Er wurde insbesondere seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ausführlich diskutiert und erfuhr dabei verschiedene philosophische Differenzierungen (unter anderem → Objektive Ironien und Ironiker). Ironie, jetzt nicht mehr eindeutig Verstellung, sondern „schwebend“ zwischen dem Gesagten und dem klassisch ironisch Gemeinten, wird zur philosophischen Haltung. Thomas Mann beschreibt diese Ironie als heitere Ambiguität.[12] Mit ihr könne er die Antinomien des Lebens aussöhnen, aus dem „Entweder-oder“ ein „Sowohl-als-auch“ machen. Dieses Geltenlassen bedeutet ihm, ähnlich wie Goethe, ein Mehr an Objektivität, denn „Ironie aber ist immer Ironie nach beiden Seiten hin.“[13] Auch schon für Friedrich Schlegel galt: „Ironie ist klares Bewusstsein der ewigen Agilität, des unendlich vollen Chaos.“[14]

Im 20. Jahrhundert wurde insbesondere durch Richard Rorty der Begriff der Ironie weiterentwickelt zu einer philosophischen Haltung, die sich durch eine ironische Distanz zur eigenen Sprache auszeichnet.

Drama
Die mit der Bezeichnung romantische Ironie beschriebenen Haltungen lassen sich bis in die Literatur der Antike zurückverfolgen und spielen bis in die heutige Zeit für Literatur (und auch für Film und Theater) eine wichtige Rolle.

Eine weitere Form der literarischen Ironie, die schon in der antiken Tragödie verwendet wurde, ist die dramatische oder tragische Ironie. Hierbei erscheint der Protagonist ahnungslos, während seine Katastrophe für den Leser/Zuschauer usw. erkennbar bevorsteht. Rückbilckend auf reale ereignisse angewandt entspricht diese Formen der Objektiven Ironie.

Journalismus
Was das Mittel der Ironie im Journalismus angeht, so entstehen dort die gleichen Erkennbarkeitsprobleme wie im Literaturabschnitt beschrieben. Wendet sich eine Zeitschrift an ein spezielles Publikum, so kann Ironie durchaus selbstverständlich sein. Je breiter das Publikum jedoch ist, an das sich ein Journalist richtet, desto größer ist die Gefahr, dass Ironie an einem Teil der Adressaten vorbeigeht. Daher die unter Publizisten übliche Warnung: Ironie versteht der Leser nie. In den Medien ist sie deshalb, von unfreiwilliger Ironie abgesehen, fast nur in Reservaten anzutreffen. Glossen beispielsweise sind zumeist klar als solche gekennzeichnet und haben oft einen festen Stammplatz (Rubrik in der Zeitung, Sendeplatz im Rundfunk).

Ironiezeichen
Was die Erkennbarkeit von Ironie in der Literatur betrifft, so soll Heinrich Heine, nicht ohne Ironie, die Einführung eines Ironiezeichens analog zum Ausrufezeichen gefordert haben, um Missverständnisse zu vermeiden. Im Französischen wurde ein solches Zeichen, der point d’ironie vom Schriftsteller Alcanter de Brahm erfunden – es hat sich aber nicht durchsetzen können.

Internet-Kommunikation
Bei der Kommunikation im Internet (beispielsweise in Mitteilungsforen, E-Mails und Chats) pflegen die Partner einen eher lockeren Umgangston. Mit besonderen Zusätzen können sie Gedanken andeuten, die über das geschriebene Wort hinausgehen, zum Beispiel Gefühle und auch Ironie:

  • Emoticons als Ersatz für begleitende Mimik (z. B. ;-) )
  • Inflektive (auch Erikativ genannt) und begrenzt Lautmalereien als Gestik-Ersatz (z. B. *grins*, *zwinker*)
  • Versalschrift, Textdicke, -farbe, -größe (u. a. wie -laufweite) dienen zur Hervorhebung als Alternative zur Satzbetonung (z. B. NEIN, wie kommst du denn DARAUF?)
  • Gestik, Mimik und Betonung, die bei der schriftlichen Kommunikation nicht sichtbar sind, werden oft durch sichtbare Pseudo-HTML- oder BB-Codes ersetzt. Beispiele sind <ironie>Ja, natürlich!</ironie> oder [ironie]Nein, niemals![/ironie], wobei oft nur der schließende HTML-Tag geschrieben wird.
  • Außerdem wird immer öfter ein doppelter Zirkumflex ^^ (der auch das japanische horizontale Emoticon für lächeln/grinsen ist) besonders bei der vernetzten Kommunikation der Jugendlichen zur Erkennung ironischen Inhalts verwendet.
Mehr dazu siehe Netzjargon.
 
Ich werde euch alle umbringen, wenn ihr nicht damit aufhört.


Aggression

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Dieser Artikel behandelt die Verhaltensweise. Für weitere Bedeutungen siehe Aggression (Begriffsklärung).

Straßenprügelei
Aggression (lateinisch aggressiō vom Deponens aggredī heranschreiten; sich nähern; angreifen) ist ein in Tieren (einschließlich Menschen) verankertes, biologisch fundiertes Verhaltensmuster zur Verteidigung und Gewinnung von Ressourcen sowie zur Bewältigung potenziell gefährlicher Situationen. Diese ultimaten Ursachen werden beim Menschen durch proximate Ursachen in der Persönlichkeit oder der Umwelt ausgelöst, aktiviertoder gehemmt und durch verschiedene Emotionen motiviert.[1][2][3]

Der amerikanische Physiologe Walter Cannon prägte 1915 den Begriff Fight-or-flight; der Mediziner Hans Selye schuf 1936 als Modell der menschlichen Reaktion auf chronische Belastungen das „Allgemeine Anpassungssyndrom“ (Näheres siehe Stressreaktion).

Zur Auslösung der Aggression bedarf es spezifischer Situationen und Reize.[4]

Bei Menschen wird emotionale Aggression durch negative Gefühle hervorgerufen, also als Reaktion zum Beispiel auf Frustration, Hitze, Kälte, Schmerz, Furcht[5] oder Hunger. Ob und wie Aggressionen im Verhalten zum Ausdruck gebracht werden, unterliegt in hohem Maße den jeweiligen sozialen Normen.[6]

Die negative Bewertung von Aggression, die (nur oder überwiegend) die destruktiven Seiten betont, wird nicht generell geteilt.[7] Innerhalb der Psychotherapie betrachtet die Gestalttherapie Aggression als eine Form der Erregung, die z. B. dazu dient, Hindernisse zu beseitigen, oder Neues aus der Umwelt für den Organismus assimilierbar zu machen. Destruktiv oder zu Gewalt wird die Aggression erst unter bestimmten äußeren oder inneren Bedingungen.[8]

Im Tierreich ist aggressives Verhalten weit verbreitet. Es wird von Verhaltensbiologen meist dahingehend interpretiert, dass es dem direkten Wettbewerb um Ressourcen, um Fortpflanzung oder um Nahrung dient (Räuber-Beute-Beziehung). Es wird daher – speziell seitens der Ethologie – häufig auch als agonistisches Verhalten oder als „Angriffs- und Drohverhalten“ bezeichnet und mit spezifischen Auslösern („Schlüsselreizen“) in Verbindung gebracht.



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Aggressionsverhalten beim Menschen
Menschliche Aggression ist Verhalten mit der Absicht, anderen Menschen zu schaden.[9] Man kann emotionale und instrumentelle Aggression unterscheiden. Im ersten Fall ist das aggressive Verhalten eine Reaktion auf erfahrenes physisches oder psychisches Leid, im zweiten Fall ist es eine rationale Aktion, eine Methode, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.[10][11]

Aggressives Verhalten steht eng im Zusammenhang mit Verhaltensweisen wie Angriff, Flucht und Verteidigung. Die Stärke des aggressiven Verhaltens kann man auf das Zusammenwirken einer aktivierten inneren Bereitschaft (Aggressivität) und einer äußeren aggressionsauslösenden Situation zurückführen.

Im Zusammenhang mit menschlichem Verhalten kann Aggression sich äußern in verbalen (Diffamierung, Beleidigung, Vorwurf), psychischen (Ausgrenzung) oder tätlichen Angriffen gegenüber Personen, Personengruppen und Sachen (Sachbeschädigung) oder – wie im Tierreich auch – in Drohverhalten, „Kommentkämpfen“ sowie ritualisierten Auseinandersetzungen, etwa im Sport, im Spiel oder im Beruf (Rivalität).

Völkerrechtlich bezeichnet Aggression im Gegensatz zur Verteidigung den erstmaligen Einsatz von Gewalt in einer Auseinandersetzung zwischen Staaten, Völkern und Volksgruppen.

Aggression wird meist mit unangepassten, zerstörerischen und destruktiven Verhaltensweisen in Verbindung gebracht; diese sind (nach Schmidt-Mummendey 1983) beim Menschen meist durch folgende Faktoren gekennzeichnet:

Beim Menschen versteht man unter „aggressivem Verhalten“ in erster Linie eine direkte oder indirekte physische und/oder psychische Schädigung eines Lebewesens oder die Beschädigung eines Gegenstandes (nach Merz, F. 1965); unabhängig davon, was letztlich Ziel dieser Handlung ist (nach Felson, R. B. 1984). Wichtig ist dabei die Absicht, unabhängig davon, ob es zu einer Schädigung kommt oder nicht (wenn zum Beispiel das Opfer in letzter Sekunde ausweicht). Oftmals wird auch der Zusatz verwendet, das geschädigte Lebewesen sei motiviert, die Behandlung zu vermeiden (siehe auch Volenti non fit iniuria - Dem Einwilligenden geschieht kein Unrecht).

Formen der Aggression sind:

  1. offene, physische Form (gegenüber Lebewesen): Schlagen, Töten, körperliches Bedrohen, autoaggressiv (gegen sich selbst gerichtet)
  2. offene, physische Form (gegenüber unbelebten Objekten): bewusste Verunreinigung, bewusste nachlässige Behandlung von Gegenständen, Sachbeschädigung (u. a. Vandalismus) und Zerstörung von Gegenständen,
  3. offene, verbale oder nonverbale Form: Beleidigen, Spotten, Gesten und mimische Ausdrucksweisen, Schreien, rohe und bewusst vulgäre Sprachstile und Umgangsformen,
  4. verdeckte Form: Phantasien,
  5. indirekte Form: Sachbeschädigung (von Gegenständen der Person(en), gegen die sich die Aggression richtet), üble Nachrede, Mobbing, Schikanen, Barrieren errichten,
  6. emotionale Form: als Folge von Stress, Ärger, Wut, Groll, Hass, Neid.
Weiter gefasst bezeichnet Aggression ein Arbeiten, ein Wetteifern oder ein selbstbewusstes Auftreten als eine wesentliche Form des „In-Angriff-Nehmens“. Diese Handlungsweisen haben im Vergleich mit der engeren Definition nichts mit einer Schädigung oder Verletzung zu tun.

„Mit Aggression ist jedes Verhalten gemeint, das im wesentlichen das Gegenteil von Passivität und Zurückhaltung darstellt“ (Bach & Goldberg 1974, S. 14, zit. nach Nolting 2000, S. 24).
„Als Aggression gilt alles, was durch Aktivität, zunächst durch Muskelkraft, eine innere Spannung aufzulösen sucht“ (Mitscherlich 1969 a, S. 12, zit. nach Nolting 2000, S. 24).
„Wir definieren Aggression als jene dem Menschen innewohnende Disposition und Energie, die sich ursprünglich und später in den verschiedensten individuellen und kollektiven, sozial gelernten und sozial vermittelten Formen von Selbstbehauptung bis zur Grausamkeit ausdrückt.“ (Heinelt, 1982.)
Weitere (motivationale) Unterscheidungsmerkmale:

  1. positive (z. B. im Sport) vs. negative,
  2. spontane vs. reaktive vs. befohlene,
  3. ernste vs. spielerische.
Typische Aggressionsziele sind zum Beispiel:

  1. das Durchsetzen eigener Wünsche und Interessen, die mit Wünschen anderer im Konflikt stehen,
  2. Beachtung durch andere finden (Rangordnung),
  3. Reaktion auf Aggression anderer (Abwehr, Notwehr),
  4. Vergeltung erlittener Aggressionsakte (Rache).
Ursachen und Erklärungsmodelle der Aggression
Menschliches aggressives Verhalten ist von verschiedenen Faktoren abhängig, welche sich gegenseitig beeinflussen:

  • zerebrale Faktoren: frontale Enthemmung,
  • genetische Faktoren: Menschen können genetisch unterschiedlich aggressiv veranlagt sein; bei den meisten Spezies (eine Ausnahme bilden zum Beispiel die Hyänen) sind die Männchen im Durchschnitt aggressiver als die Weibchen,[12]
  • physiologische Faktoren: Hormone und Neurotransmitter sind bei der Steuerung aggressiven Verhaltens beteiligt, so gehen verminderte Serotonin- und erhöhte Testosteron-Spiegel mit aggressivem Verhalten einher
  • gesamtorganische Faktoren: Psychische Zustände, Empfindungen und Motive beeinflussen das Aggressionsverhalten, zum Beispiel erhöhen Schmerzen und andere unangenehme Zustände wie hohe Außentemperaturen die Aggressionsneigung,
  • gruppensoziologische Bedingung: Bei Ausbildung oder Zerfall einer Rangordnung sind alle beteiligten Individuen aggressiver als bei gefestigter Hierarchie. In einer anonymen Gruppe reagieren die Mitglieder anders als unter Vertrauten,
  • sozial-ökologische Faktoren: Hohe Gruppendichte oder Nahrungsknappheit beeinflussen aggressives Verhalten,
  • stammesgeschichtliche Faktoren: Aggressives Verhalten hat sich bei verschiedenen Arten evolutionsbedingt unterschiedlich ausgebildet,
  • kulturgeschichtliche Faktoren: Aggressives Verhalten ist durch Ritualisierungen kulturell überformt,
  • ontogenetische Faktoren: Persönliche Erfahrungen, Erlebnisse, Frustrationen, Ängste und Vorbilder beeinflussen aggressives Verhalten,
  • Alkoholkonsum schwächt den regulierenden normativen sozialen Einfluss,
  • Wettkämpfe erhöhen bei den Aktiven und den Zuschauern die Aggressionsbereitschaft.[13]
Erklärungsansätze für aggressives Verhalten
Aggression bezeichnet eine Vielfalt von Verhaltensweisen, denen gemeinsam ist, dass ein Konflikt zwischen Individuen oder Gruppen, der durch unvereinbare Verhaltensziele verursacht wurde, nicht durch einseitige oder beidseitige Änderung dieser Verhaltensziele gelöst wird, sondern dadurch, dass die eine Konfliktpartei zumindest versucht, der anderen eine Änderung aufzuzwingen.[14]

  • Lerntheoretische Ansätze:
    • Lernen am Modell: Aggressives Verhalten wird aufgrund der Vorbildfunktion aggressiver Menschen, die man beobachtet, erlernt. Ein bekannter Vertreter dieser Theorie ist Albert Bandura.
    • Klassische Konditionierung (nach Pawlow): Ein neutraler Umweltreiz, der gemeinsam mit einem Reiz auftritt, der Aggression auslöst, kann zum alleinigen Auslöser der Aggression werden.
    • Instrumentelle Konditionierung (Lernen am Erfolg): Durch die Anwendung von aggressiven Verhaltensmustern hat man Erfolg. Die Erfolgsbelohnung lässt einen in der Zukunft erneut aggressiv handeln. Bekanntester Vertreter dieser Theorie ist Burrhus Frederic Skinner.
  • General Aggression Model: Das General Aggression Model (GAM) von Craig A. Anderson und Brad J. Bushman fasst einige spezifischere Theorien zur Aggression (Lernen am Modell, Script Theory, Erregungs-Transfer-Paradigma, Social Interaction Theory, Cognitive Neoassociation Theory) zusammen. Es beschreibt, wie persönliche und situative Faktoren den Zustand beeinflussen. Der Zustand einer Person wiederum bestimmt, wie die vorliegende Situation eingeschätzt und bewertet wird. Aus dieser Bewertung folgt eine aus Sicht der Person angemessene Reaktion bzw. Handlung. Die gewählte Handlung kann je nach Entscheidung bedacht oder unbedacht und aggressiv oder nicht aggressiv sein. Kernelemente des Modells sind Wissensstrukturen (Knowledge Structures), die sich in Form von Konzepten, Ablaufplänen und Schemata im kognitiven System der Person bilden und das Wissen über eine Situation, aus dem Erwartungen, Ziele und Verhalten abgeleitet werden, repräsentieren. Mit wiederholtem Gebrauch verfestigen sich diese Strukturen und führen zu automatisierten Abläufen. Mithilfe des Modells lassen sich komplexe Einflüsse und Ursachen aggressiven Verhaltens exakter identifizieren und erklären.[15]
Einfluss der Gene und der neurologischen Prozesse und Strukturen
Es gibt zahlreiche Hinweise dafür, dass Aggression nicht allein auf Lernerfahrungen zurückgehen kann. Ratten, die ohne Kontakt mit anderen Ratten aufwachsen, zeigen bei Bedrohung ihres Territoriums aggressives Verhalten. Die nächsten Verwandten des Menschen, Bonobos und Schimpansen, haben sehr unterschiedliche innerartliche Aggressionsniveaus.

Einige Hormone (z. B. Androgene und speziell das Testosteron) begünstigen eine erhöhte Neigung zu aggressivem Verhalten. Während des Eintretens der Geschlechtsreife kann besonders bei männlichen Individuen beobachtet werden, wie das verbale und physische Aggressionspotential ansteigt („Flegeljahre“). Dies wiederum wird auf die veränderte Aktivität der Gene zurückgeführt. Diese insbesondere von der eigenen Familie als destruktiv empfundenen Verhaltensweisen können auch gegen sich selbst gerichtet sein (Autoaggressivität).

Der Neurotransmitter Serotonin spielt offenbar eine Rolle bei der Hemmung aggressiven und riskanten Verhaltens.

Der zugrundeliegende neuropsychologische Mechanismus beinhaltet nach heutigem Wissensstand hauptsächlich Aktivierungen der Gebiete des Hypothalamus (VMH, AMH) und des PAG-Gebietes (Periaquäduktales Grau), welche moduliert werden durch Aktivierungen oder Innervierungen der Amygdala und präfrontaler Gebiete.

Sigmund Freud und der „Todestrieb“
Die Aussagen Freuds verlangen ein „Glaubensbekenntnis“, sie sind jedoch empirisch (wissenschaftlich) nicht überprüfbar.

Freud formulierte ab 1905 die Überzeugung, dass es sich bei der menschlichen Aggressivität um einen Trieb handele. Zunächst wurde dieser Trieb lediglich als Bestandteil der menschlichen Sexualität betrachtet, doch ab 1915 sah man sie auch als Komponente der Ich-Triebe. Unter den Eindrücken des Ersten Weltkrieges begann Freud Aggression schließlich zunehmend als eigenen Trieb und Hauptvertreter des Todes- oder Destruktionstriebes (Zerstörungstrieb) zu formulieren. So besteht das Ziel des so genanntenTodestriebs (Thanatos) nach Freud darin, Einheiten zu zerstören, wohingegen der Eros, oder Liebestrieb, Einheiten schaffen möchte. Diese beiden Triebe laufen immer gleichzeitig, so dass wir beispielsweise essend eine Sache zerstören, um andererseits uns aufzubauen. So haben die Triebe die Aufgabe, sich gegenseitig zu bremsen, nicht aber zu beschneiden, um negative Folgen eines einseitigen Prozesses zu vermeiden. Der Todestrieb, die Aggression, stellt sozusagen ein psychisches Energiepotential dar, das eingesetzt werden kann, um zu verändern. Freud sieht eine Möglichkeit zur Entladung des Todestriebes über den Abwehrmechanismus der Sublimierung, wodurch die gesellschaftlich geächteten Triebe in akzeptierte, alternative Verhaltensweisen umgeleitet werden können. Nach seinem inzwischen widerlegten „Hydraulik-Modell“ können sich Aggressionen aufstauen und später entladen (Katharsis-Hypothese). Die Aggressionen können auch auf Ersatzobjekte verschoben werden, d. h. sich in einem akzeptierten Kontext entladen, bzw. in spezifisch geschaffenen therapeutischen Settings: Das Kind kann die Puppe mit dem Kochlöffel prügeln und so seine angestauten Aggressionen gegenüber der Mutter entladen.

Aus Sicht der Evolutionsbiologie sind die Freud’schen Annahmen zum Todestrieb insofern problematisch, als kein natürlicher Selektionsmechanismus denkbar ist, um im Verlauf der Stammesgeschichte einen Trieb hervorzubringen, der die Individuen dem Tode näherbringt, also ihre Vermehrungsfähigkeit reduziert. Dagegen wurde eingewandt, dass der Mensch vielfach kulturell erlernte Verhaltensweisen anstatt artgebundener, erbgenetisch erworbener zeige (Beispiel „extrauterines Frühjahr”), so dass die Hypothese vom Todestrieb trotz seines antibiologischen Potentials zumindest als Denkmöglichkeit nicht von der Hand gewiesen dürfe.[16]

Konrad Lorenz und der „Aggressions-Instinkt“
Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz veröffentlichte 1963 „Das sogenannte Böse“, ein populärwissenschaftliches Buch, das großen Anklang insbesondere in der nicht-wissenschaftlichen Öffentlichkeit fand. Lorenz beschrieb darin einen Aggressions-Instinkt, der bei Tieren wichtige biologische Funktionen für ihr Überleben und für ihre Vermehrung erfülle. Dieser Instinkt sei daher auch für die Fortentwicklung der Arten von Bedeutung. Die positiven Funktionen seien u. a. die Verteidigung des Lebensraumes, das Jagdverhalten, die Sicherung der Rangordnung, die Sicherung knapper Ressourcen und der Schutz der eigenen Nachkommen. Lorenz übertrug seine Deutungen des Verhaltens von Tieren auch auf den Menschen: Erst bei diesem werde der angeborene und aus Lorenz’ Sicht prinzipiell sinnvolle Aggressions-Instinkt zu einem Problem, da die Zivilisation der Neuzeit keine angemessene „Entladung“ aufgestauter Aggressionen zulasse. Hinzu komme, dass Täter bei aggressiven Handlungen häufig Waffen gegen ihre Opfer einsetzten, weshalb die von ihm bei Tieren beschriebene, angeborene Tötungshemmung (die sogenannte Beißhemmung) Exzesstaten nicht verhindere.

Lorenz plädiert wie Freud für ein „Umleiten“ des Aggressions-Instinkts hin zu einem gesellschaftlich akzeptierten Handeln: Sport, Wissenschaft und Kunst werden als Ersatzbeschäftigung zum „Ausleben“ der „aufgestauten“ Aggressionen nahegelegt. Im Wettstreit mit anderen Vertretern dieser Lebensbereiche könne man seine Aggressionen in gesellschaftlich akzeptierbarer Form reduzieren.

Während Konrad Lorenz Aggressionen als eine Folge stetig sprudelnder Triebenergien deutete, betonen andere Verhaltensbiologen beim Menschen eher die individuellen Motive für aggressives Verhalten: Furcht, Frustration, Gehorsam, kalte Berechnung, soziale Exploration („Mal sehen, wie weit ich gehen kann“), Spielverhalten u. a. Je nach vorherrschendem Motiv sei dann der zweckmäßige Umgang mit dem Aggressor ein jeweils anderer.

Einfluss der Umwelt
Sowohl Lernerfahrungen, als auch der situative Kontext beeinflussen die Stärke und die Art und Weise von aggressivem Verhalten.

Lerntheoretiker gehen davon aus, dass jede Verstärkung einer Handlung (vergl. Instrumentelle und operante Konditionierung) deren Auftretenswahrscheinlichkeit erhöht; aggressives Verhalten wird von ihnen also dadurch erklärt, dass man mit seiner Aggression erfolgreich war (ein Ziel erreicht oder Anerkennung erhalten hat). Erst wenn diese Bekräftigung (dieser Verstärker) ausbleibt oder das unerwünschte Verhalten bestraft wird, kommt es (wieder) zum Abbau aggressiven Verhaltens. Damit wird ein aggressionsfreies Verhalten grundsätzlich für möglich erachtet. Bandura erklärt Aggression darüber hinaus durch das Imitationslernen (soziales Lernen, Modelllernen, Lernen am Modell): Man sieht, wie ein anderer – z. B. auch der Held im Film – mit aggressivem Verhalten erfolgreich war, und ahmt ihn nach, weil man einen ähnlichen Erfolg erwartet.


Mimischer Ausdruck von Aggressionen ausgelöst durch Frustration bei Spielverlust
Nach der Frustrations-Aggressions-Hypothese führt jede Versagung (Frustration) zu erhöhter Aggressionsneigung.[17] Im klassischen Experiment von Barker, Dembo und Lewin (1941) wurden zwei Kindergruppen verglichen. Die eine durfte sofort mit attraktivem Spielzeug spielen, die andere konnte es zwar sehen, musste aber lange auf die Spielerlaubnis warten. Nur diese Gruppe zeigte aggressives Verhalten gegen das Spielzeug.

Eine Weiterentwicklung der Frustrations-Aggressions-Hypothese stellt der kognitiv-neoassoziationistische Ansatz von Berkowitz dar, welcher im Unterschied zur Frustrations-Aggressions-Hypothese folgende modifizierende Annahmen macht:

  1. Frustration führt nicht unmittelbar zu einem Bedürfnis, einem anderen Organismus Schaden zuzufügen, sondern dieser Prozess wird durch den emotionalen Zustand des Ärgers vermittelt.
  2. Neben der Frustration können auch andere Formen aversiver Stimulation negative Effekte und damit Aggression auslösen.
  3. Das Auftreten negativer Affekte und die Bereitschaft zu aggressiven Handlungen treten parallel auf, nicht sequentiell.
Hintergrund dieser Annahmen ist ein assoziatives Netzwerkmodell des menschlichen Gedächtnisses: Eine aversive Stimulation infolge der Erregungsausbreitung im Netzwerk kann gleichzeitig Gedanken, Emotionen und motorische Reaktionen auslösen. Zugleich kann die Aktivierung jeder einzelnen dieser Komponenten (z. B. feindselige Gedanken) die Aktivierung der beiden anderen Komponenten hervorrufen. Ob ein aversiver Affekt zuVermeidungs- oder aggressiven Handlungen führt, hängt nach Berkowitz von drei Faktoren ab:

  1. stabile Persönlichkeitseigenschaften,
  2. vorherige Lernerfahrungen (z. B. sensu Bandura),
  3. von der Wahrnehmung bestimmter situativer Aspekte, z. B. aggressiver Hinweisreize.
Frustration führt zum Beispiel dann nicht zu Aggression, wenn die frustrierende Person größer und stärker ist als die frustrierte, oder wenn das frustrierende Verhalten als nicht beabsichtigt bewertet wird.[18]

Gemeinsamer Einfluss von Genen und Umwelt
Erich Fromm versucht in seiner Charaktertheorie eine Kombination der bisherigen Überlegungen. Als Anlage-Faktor geht er von menschlichen Grundbedürfnissen (Sicherheit, Stimulation, Erfolg, Freiheit) aus, die bei der Sozialisation eines Menschen mehr oder minder gut erfüllt werden, wodurch sein individueller Charakter geprägt wird. Dieser individuelle Charakter muss sich mit der ihn umgebenden Gesellschaft (dem sozialen Charakter) auseinandersetzen. Ist der individuelle Charakter genügend stark ausgeprägt, kann er Frustrationen besser verkraften oder in positive Aktionen umsetzen. Aggressive Vorbilder werden nicht als solche akzeptiert und Erfolge anders erreicht.

Ist der individuelle Charakter aber schwach – die Grundbedürfnisse wurden durch Erziehungsfehler nicht oder nur schlecht befriedigt – reagiert der Mensch in einem aggressiven Umfeld ebenfalls aggressiv. So hat auch Kurt Lewin nachgewiesen, dass es einen Zusammenhang zwischen autoritärem Führungsstil und gesteigerter Aggression bei Wegfall der Kontrolle gibt. Das Milgram-Experiment kann als Beleg für diese Theorie bewertet werden: Der Mensch (mit schwachem individuellem Charakter) orientiert sich an den Anordnungen durch eine Autorität. Die vermeintlich verlagerte Verantwortung erlaubt anscheinend selbst extrem aggressive Handlungen.

Der österreichisch-amerikanische Psychiater, Psychoanalytiker und Aggressionsforscher Friedrich Hacker machte sich die Thesen von Konrad Lorenz zur angeborenen, triebhaften Natur der Aggression zu eigen, versuchte aber – mit einer Art Quadratur des Kreises – diese Deutungen von Verhaltensweisen („biologische Programmierung“) zu verbinden mit behavioristischen Thesen („sozial erlerntes Verhalten“).

Ferner geht z. B. die „Berliner Schule“ um den Psychoanalytiker Günter Ammon davon aus, dass die Aggression eine sog. „Ich-Funktion“ oder – ein anderer Terminus – ein „Ich-Potential“ ist. Eine mangelhafte Ausbildung der Aggression kann demnach darin resultieren, dass Dinge nicht – oder eben nur unzureichend – aggressiv angegangen werden.

Motive
Tedeschi und Felson nennen in ihrer sozial-interaktionistischen Theorie aggressiven Verhaltens drei Motive, die zentral für die Entscheidung zu aggressivem Verhalten sind:

  • Streben nach sozialer Macht
Ob aggressive Verhaltensweisen oder positive Verhaltensweisen eingesetzt werden, um soziale Kontrolle zu erhalten, hängt z. B. davon ab, wie wichtig der angestrebte Einflussbereich ist, welche früheren Erfahrungen man mit aggressiven und nicht-aggressiven Verhaltensweisen gemacht hat und welche Alternativen zur Verfügung stehen. Alternativen zur Ausübung sozialer Macht durch körperlicher Überlegenheit sind z. B. Intelligenz, Argumente und Redegewandtheit.

  • Gerechtigkeit
Aggressive Verhaltensweisen werden zur Herstellung von Gerechtigkeit vor allem dann eingesetzt, wenn eine Person annimmt, dass eine schwere Provokation und Ungerechtigkeit stattgefunden hat, eine eindeutige Schuld zuweisbar ist und es keine wirksame externe Bestrafungsinstanz gibt. Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Verhältnis zwischen den am Konflikt beteiligten Personen.

  • Positive Selbstdarstellung
Aggressive Verhaltensweisen werden auch zur Herstellung oder Wahrung einer positiven Identität angewendet. Insbesondere sozialer Druck, der z. B. in bestimmten jugendlichen Subkulturen herrscht, in denen aggressives Handeln als Indikator für Männlichkeit gilt, hat Einfluss auf die Entscheidung zu aggressivem Handeln.

Mutmaßliche Auslöser von Aggression
Einige Gegebenheiten führen in Situationen, in denen aggressives Potential vorhanden ist, zu einer Verstärkung der aggressiven Tendenz:

Neuropsychiatrische Krankheiten
Aggression kann ohne ersichtlichen Grund aufgrund der frontalen Enthemmung bei Demenz-Kranken auftreten. Die Prävalanz ist bei den Demenzarten verschieden ausgeprägt: Morbus Alzheimer 34 %, Vaskuläre Demenz 72 %, Lewy-Body-Demenz 71 % undFrontotemporale Demenz 69 %.[19]
Aversive Reize
Aversive – also unangenehme – Reize führen zu einer verstärkten Gereiztheit und können Ärgerempfindungen hervorrufen. In einer Untersuchung tauchten Versuchspersonen ihre Hände bei einem Scheinexperiment in Wasserbecken. War das Wasser sehr kalt oder heiß, gaben die Probanden verstärkte Ärgergefühle an und zeigten aggressive Verhaltenstendenzen (reagieren gereizt auf Versuchsleiter etc.). In einer anderen Untersuchung sollten Personen einen Fragebogen ausfüllen, der ihre Aggressivität erfasste. Füllten sie diesen in einem stark überheizten Raum aus, wiesen sie eine erhöhte Aggressivität auf.
Erregung
Physiologische Erregung (arousal) verstärkt bestehende Verhaltenstendenzen. Bei einem Experiment wurde Versuchspersonen Adrenalin injiziert, was zu einer erhöhten Erregung führte. Danach wurden sie in einen Raum mit einer entweder sehr euphorischen oder sehr feindseligen Person gebracht. Wenn die Probanden nichts über die Adrenalininjektion wussten, verhielten sie sich in starkem Ausmaß entsprechend der zweiten Person (feindselig bzw. aggressiv oder euphorisch). Die durch das Adrenalin hervorgerufene physiologische Erregung hatte die Gefühlstendenz verstärkt. Es wird angenommen, dass die Probanden die Erregung auf die Reizung durch die andere Person attribuierten.
Wussten die Probanden, dass ihnen Adrenalin injiziert wurde, verstärkten sich ihre feindseligen bzw. euphorischen Gefühle nicht. Sie nahmen zwar die körperliche Erregung wahr, attribuierten sie jedoch auf die Injektion.
In einer anderen Untersuchung zeigte sich, dass Menschen bei sportlicher Betätigung leichter gereizt werden können. Sie scheinen ihre körperliche Erregtheit in gewissen Teilen auf die äußerliche Reizung anstatt den Sport zu attribuieren.
Aggressive Hinweisreize
Sind in einer Situation Reize, die mit Aggression oder Gewalt assoziiert werden, vorhanden, führen diese zu einem schnelleren Ausbruch der aggressiven Tendenzen. So zeigten Kindergartenkinder in einer Studie mehr aggressives Verhalten, wenn sie mit Spielzeugwaffen im Gegensatz zu Puppen, Autos etc. spielten.
Versuchspersonen, die in einer Scheinstudie einem angeblichen Lernenden Stromstöße bei falschen Antworten verabreichen sollten, gaben mehr Schocks, wenn im Experimentalraum Waffen an den Wänden hingen, als wenn Tennisschläger anwesend waren.
Fernsehen
Das Lernexperiment von Bandura, in dem Kinder einen Erwachsenen bei gewalttätigem Umgang mit einer Puppe beobachteten und dies später nachahmten, wurde auch mit Videoaufnahmen, in denen der Erwachsene zu sehen war, repliziert. Selbst wenn die Kinder die Gewalt nur auf dem Bildschirm sahen, verhielten sie sich später in ähnlicher Weise gegenüber der Puppe.
Computerspiele
Auch Computerspiele können eine ähnliche Wirkung wie Fernsehen ausüben.
Selbstschutz
Aggressive Reaktionen können auch durch (vermeintliche) Gefahrensituationen ausgelöst werden. Fühlt man sich bedroht, so versucht man sich zu verteidigen und dies oftmals mit vom Aggressionspotential gesteuerter, psychischer oder physischer Gewalt.
Einnahme von Steroiden und Anabolika
Wenn man beim Bodybuilding auf Substanzen wie Steroide und Anabolika zugreift, wird man aggressiv.
Aggression und Informationsverarbeitung
Dodge beschreibt in einem Modell sechs Stufen der Bewertung sozialer Hinweisreize, die die Wahrscheinlichkeit aggressiven Verhaltens erhöhen:

  1. die Wahrnehmung einer potenziellen Provokation,
  2. die Interpretation der Beobachtung,
  3. die Definition der eigenen Ziele,
  4. die Prüfung der eigenen Reaktionsmöglichkeiten,
  5. die Auswahl einer Verhaltensweise,
  6. die Durchführung des ausgewählten Verhaltens.
Der Prozess könnte z. B. so aussehen: „Er hat mir mein Eigentum widerrechtlich weggenommen und mein Ziel ist es, es zurückzugewinnen. Die einzige Möglichkeit besteht darin, dass ich es mir gewaltsam wiederhole, da ich vor Gericht keine Beweise hätte und der Dieb es mir nicht freiwillig zurückgeben wird. Deshalb werde ich ihn jetzt niederschlagen und mir mein Eigentum wiederholen.“

Empirisch konnte gezeigt werden, dass Kinder, die von Mitschülern und Lehrern als überdurchschnittlich aggressiv bewertet werden, besonders dazu neigen, eine erlebte Frustration als das Ergebnis einer feindseligen Intention zu interpretieren. Dieser so genanntehostile attribution bias führt also zu einer Verzerrung in den ersten beiden Prozessen, wie sie Dodge beschreibt, also einer Verzerrung der Enkodierung und Interpretation der sozialen Situation.

Aggression im Geschäftsleben
Im Geschäftsleben wird etwa seit den 1980er-Jahren der Bezeichnung Aggression eine positive Bedeutung zugeordnet, die sie auch im amerikanischen Sprachgebrauch hat. Besonders im Verkauf und der Werbung wird ein „aggressives Vorgehen“ erwartet. Auch innerhalb von Unternehmen wird ein „aggressives Vorgehen“ häufig für das Erreichen von Zielen unter der Bedingung knapper Ressourcen für notwendig gehalten.[20][21] Aus Arbeitgebersicht[22] braucht ein Manager „Kampfwillen“ und „Killerinstinkt“.

Gewaltprävention durch Aggressionskontrolle
Aus dem Wissen über die Entstehung von zwischenmenschlicher Aggression wurden einige Ansätze zu deren Vermeidung entwickelt. Zu den erfolgreichen Strategien gehören: Förderung der Empathiefähigkeit, Förderung sozialer Fähigkeiten, gute Vorbilder,Mediation und gewaltfreie Kommunikation. Zum Umgang mit Aggression in der Patienten Behandlung existiert eine Leitlinie[23]

Aggression aus Sicht der Ökologie
Von Ökologen wird Aggression hingegen als Bestandteil von „Interferenzen“ gedeutet. Als solche Interferenzen gelten Schwankungen der Populationsdichte, die durch sozialen Stress bei zu hohen Populationsdichten (siehe Populationsdynamik) entstehen. Eine hohe Populationsdichte erzeugt einen höheren Druck durch Intraspezifische Konkurrenz. Die Aggression gegen Artgenossen dient häufig der Vertreibung eines Individuums oder von Gruppen in ein anderes Revier, um so die Populationsdichte in einem Habitat auf niedrigem Niveau und damit das Nahrungsangebot für das Individuum hoch halten zu können. Das Verhältnis von Aggression zu sozialem Verhalten ist häufig vom Nahrungsangebot abhängig (z. B. bei Spinnentieren). Bei genügendem Nahrungsangebot oder zum Schutz vor Fressfeinden erhöht sich die soziale Toleranz. Viele Tiere zeigen aggressives Verhalten gegen Artgenossen auch als Mittel zum Schutz der Nachkommen.

Diese Form der innerartlichen Aggression ist zu unterscheiden von der zwischenartlichen Aggression, die zum Beispiel jedem Beutegreifer bei der Nahrungsbeschaffung zu eigen ist.

Die Sicht der Rechtswissenschaften

Aggressionen werden strafrechtlich erst relevant, wenn sie selbst ein geschütztes Rechtsgut verletzen. In der Regel ist dies vor allem bei Körperverletzungen oder unter Umständen auch dem Tatbestand der Sachbeschädigung der Fall. Aggressionen sind straflos, wenn sie durch Rechtfertigungsgründe wie Notwehr oder Notstand o. Ä. gerechtfertigt werden.

Völkerrechtlich haben aggressive Handlungen auch Einzug in die Charta der Vereinten Nationen erhalten: Aggressionen sind Eingriffe in die Souveränität eines Staates, die nicht gerechtfertigt sind. Dies können der Angriffskrieg sein, aber auch Grenzverletzungen und Drohungen mit Gewalt. Wird völkerrechtliches Unrecht begangen, so kann sich das angegriffene Völkerrechtssubjekt dagegen wehren (jedoch sind Präventivkriege nicht zulässig). Maßnahmen sind Retorsionen (gegen unfreundliche Handlungen) oderRepressalien (gegen völkerrechtswidrige Handlungen). Beide sind völkerrechtlich bei Aggressionen zulässig.
 
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Reaktionen: AnotherAero
Das Verhältnis von Aggression zu sozialem Verhalten ist häufig vom Nahrungsangebot abhängig (z. B. bei Spinnentieren). Bei genügendem Nahrungsangebot oder zum Schutz vor Fressfeinden erhöht sich die soziale Toleranz. Viele Tiere zeigen aggressives Verhalten gegen Artgenossen auch als Mittel zum Schutz der Nachkommen.
Ihr braucht mir nichts zu erzählen. >:
 
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Reaktionen: Le_Jonny
OMG keine Ironie... ich kann nicht anders... ich geh lieber wieder... Bye!
 

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