Vor circa einem Monat habe ich in Irland mein CEFR im Englischen abgelegt und mein Zertifikat für das Sprachniveau C1 gekriegt - in dem Sinne ein Niveau niedriger als das am höchsten Erreichbare, C2, was soviel wie Muttersprachenniveau bedeutet - obwohl ich an der Institution, wo ich war, das Testen auf C2 nicht möglich war.
Egal, reden wir nicht von mir, sondern von Englisch. Warum schreibe ich das alles? Warum rede ich von einem Niveau, welches ich in einer Fremdsprache habe?
Der Ursprung darin liegt wohl in der Bildung. Da ich 2008 eingeschult worden bin, war ich in einem der ersten Jahrgänge an meiner Schule, der den Englischunterricht ab der 1. Klasse verpflichtend Englisch als Fremdsprache auf dem Lehrplan hatten. Ihr könnt euch aber vorstellen wie das Niveau in den ersten Klassen war - lächerlich.
Natürlich macht man sich erst keine Gedanken darüber, warum man Englisch lernt. Denn sie scheint ja definitiv eine wichtige Sprache zu sein. Deswegen habe ich bald schon zwölf Jahre Englischunterricht - theoretisch hätte ich diesen nach der 9. Klasse abwählen können - stattdessen habe ich das Fach als LK?!
Meine alte Grundschule beschreibt Englisch als "wichtige Kommunikationssprache in Wirtschaft, Kultur und dem Leben" und teilweise klingt es eher wie "unerbittlich gefragt". Auf meiner Schule wird ebenfalls in ähnlichen Tönen gelobt. Zitat: "Die Beherrschung des Englischen als lingua franca und der Erwerb der sprachlichen Kompetenz, sich in einer zunehmend von Mehrsprachigkeit geprägten Welt persönlich und beruflich verständigen zu können, ist ein unbestrittenes Postulat der englischen Fremdsprachendidaktik"
Aber mit welchem Recht? Sie ist die einzig richtig vorgeschriebene Fremdsprache in den meisten deutschen Bundesländern, auch meist begründet mit ähnlichen Parolen. Selbst Französisch, Russisch, Latein, Spanisch sind "optional", auch wenn es da eher eine verpflichtende Wahl von bestimmten Fächern darstellt. Aber auch in dem Großteil der anderen Länder dieser Welt ist Englisch eine wichtige Sprache - man redet in dem Fall von einer Lingua Franca. Das heißt, man kommuniziert in der Wirtschaftswelt in Englisch, in den Vereinten Nationen, wenn man in ein anderes Land reist (Sei es ein*\e Niederländer*\in nach Finnland), die meisten Inhalte im WWW sind auf Englisch.
Wir sehen, dass die Vorzeigestellung von Englisch ohne Frage gegeben ist. Eine solche internationale Lingua Franca ist sicherlich nicht was schlechtes. Sie macht es einfacher, Verständnis auf der ganzen Welt zu erzeugen und Diplomatie als auch wissenschaftliche Inhalte als auch (leider) im Kontext der Globalisierung das Verständnis in der Wirtschaft zu schaffen.
Aber wenn man mal drüber nachdenkt, ist es schon merkwürdig, dass eine Sprache wie Englisch Weltsprache ist, jetzt abgesehen vom historischen Kontext, auf welchen ich gleich komme, sondern im Sinne von Grammatik und Wortschatz. Die Sprache selbst ist sehr eurozentrisch, mit vielen Einflüssen aus den indogermanischen, den vulgärlateinischen (aus dem Altfranzösischem) und partiell keltischen Sprachen. Die Sprache ist somit nicht wirklich die einfachste für Nicht-Muttersprachler\*innen, denn schon ihre Aussprache ist eine große Problematik. In Frankreich ist das laute "h" ein Problem - so wird aus "I have happiness inside me" mal schnell "I 'ave a' peni…" okay, lassen wir das. Ansonsten gibts das th und w/v, was besonders den Deutschen Spaß bereitet, weil daraus meist eher "se next train in sis willetsch will arreif in sri hauers."
Abgesehen davon ist die Grammatik teilweise unangenehm. Immerhin haben wir hier keine drei Artikel, sondern nur 'the', viele Mehrdeutigkeiten werden im Englischen eliminiert (If/when). Aber kaum kommen wir zu den Zeiten, wird es echt lustig. Simple present, present perfect, past perfect, past perfect continouus usw… die einzige Lösung hier ist Pauken oder vereinfachtes Sprechen, da es sonst in ein Gehirn einer Person, die Englisch als Muttersprache nicht hat, niemals reinpassen wird.
Wenn wir sehen, dass Englisch lernen doch teilweise eine Qual ist, fragt man sich: Ist es nicht unfair, dass die Briten/Iren/Kanadier/Amerikaner (Gendersternchen habe ich hier nicht reingebracht weil ich zu faul bin das vor dem BBCode Zeugs richtig zu formatieren) wohl keine Mühen haben, irgendwo in der Welt rumzureisen oder einen Job zu kriegen, da ihre Sprache eine Vorstellung besitzt? Während sich ehemalige DDR-Bürger\*innen sich mit abmühen müssen, grundlegenes Englisch zu lernen, da ihre Kenntnisse in der Schulzeit auf Russisch beschränkt waren, und wohl wahrscheinlich Schwierigkeiten im Ausland haben, können die Briten unbesorgt und bedingungslos in ein Café laufen, in ihrer Sprache bestellen und werden auch nicht komisch angeschaut (Frankreich ist da zum Glück eine Ausnahme). Die Sprache eines bestimmten Landes ist somit eine Weltsprache - wodurch sie auch 100%ig parteiisch ist. Sie hat sich nur in einem Ideologiekonflikt durchsetzen können, da…
Hier kommen wir zum historischem Kontext. Denn Englisch war nicht immer Weltsprache, wie manche vermuten können. Tatsächlich ist es erst 1918 relativ normal, seit 1991 erst legitim gesehen normal, dass Englisch die Lingua Franca in so jedem Sprachraum der Welt stellt. Davor wurde der Konflikt eher zwischen Französisch und Deutsch ausgetragen, die ihre neue Machtstellung sichern wollten (teilweise war Deutsch eine international sehr angesehene Sprache, Funfact), davor war es lateinisch und französisch als "edle" Sprachen, was sich aber wohl auf den europäischen Raum beschränkt hat.
Alle diese Sprachen stammen aus wahrlich imperalistischen Bestrebungen. Alle genannten Sprachen besaßen/besitzen eine Stellung in Ländern, die entweder Kolonialmächte oder Mehrvölkerstaaten waren. Viele ehemalige Kolonien von Spanien, Frankreich, Großbritannien - teilweise auch Namibia als deutsches Beispiel - sind stark durch die Besetzer geprägt - deren Sprachen sind heute fester Bestandteil dieser Länder.
Aber natürlich ist Kolonialismus nicht das gleiche wie wirtschaftliche Dominanz, was anscheinend hier der führende Faktor ist. Denn Englisch ist nicht aufgrund der Briten direkt Weltsprache geworden (es hat auch dazu beigetragen), sondern auch durch die wirtschaftliche Dominanz der Vereinigten Staaten, und die Verdrängung von Plansprachen in den 30ern.
Dass heute Englisch die Sprache der Wirtschaft ist, wurde ja schon vorhin geklärt. Es lässt sich darauf zurückführen, dass ab den 20ern/ nochmals nach der Depression in den 30/40ern die USA eine wirtschaftliche Großmacht werden konnte, wodurch auch ihr kultureller Einfluss stärker wurde - was auch wohl Teil des Ideologiekonfliktes mit dem Osten war. So war es ja auch in der Weimarer Republik der kurzen Zeit hipp, sich amerikanischer Kultur anzupassen - Swing, Bebop, Kinos, eigene Karre und Reihenhaus wurden herzlich mit aufgenommen. Jedoch wurde das im Verlauf der Zeit immer intensiver. Besonders nach 1945 begann die Vormachtsstellung der USA in der "westlichen Welt", welche ja erstmals unter den Industrienationen Amerikas und Europas unter dem Millitärbündnis der NATO vereinigt waren. Der Ideologiekonflikt zwischen der Marktwirtschaft und dem Realsozialismus zeigten die Relevanz von soziokulturellen und wirtschaftlichen Einflüssen - welche beide auch mit der Sprache zu tun hatten. In der DDR war es typisch, Russisch zu lernen, in der BRD war es Englisch, durch die "steigende Relevanz" der Sprache. Dass sich die USA am Ende "durchsetzen" konnte, verstärkte diesen Effekt nochmal. Und somit sind wir heute da, wo wir sind.
Aber was wäre die Alternative zu diesem Kram gewesen?
Ich habe vorhin Plansprachen erwähnt, die erstmals nach Einfachheit, Unabhängigkeit und Universalität streben wollten. Esperanto war/ist wohl die erfolgreichste dieser Konstrukte, welche neben einer einfachen Grammatik und einfachem Wortschatz auch von allen Nationen unabhängig sein sollte. Das Ziel: Jeder soll seine Muttersprache und Esperanto sprechen, denn auf Kommunikation und Diplomatie kommt es an. Zamenhof, der Erfinder der Sprache, wuchs in Białystok auf, einer ethnisch komplett durchmischten Stadt, welche in weniger von dreißig Jahren mehreren Mächten angehörig war. Zamenhof wollte Esperanto als vereinigende Sprache schaffen - welche auf Dauer den Weltfrieden sichern soll.
Auch wenn die Sprache noch sehr eurozentrisch war, war sie deutlich einfacher als andere jegliche europäische Sprachen und gewann auch schnell an Popularität. Nach dem ersten Weltkrieg wurde z. B. auch der Völkerbund geschaffen. Diskutiert wurde auch in dem, ob man Esperanto als allgemeine Verkehrssprache verwenden solle. Alle Vertreter der Nationen haben bei der Abstimmung dafür gestimmt - mit der Ausnahme vom Veto des französischem Abgeordneten - man rätstelt bestimmt immer noch sehr, warum er das getan hat. (Ironie, btw.)
Im Schatten der frühsowjetischem (also dem Stalinismus) und der nationalsozialistischen Diktaturen wurde die Plansprache systematisch verdrängt, verboten, als auch Esperantisten verfolgt. Was bleibt, sind Fragmente.
So ist es auch heute. Es ist unwahrscheinlich, dass in nächster Zeit sich eine Plansprache als legitime Sprache durchsetzen wird. Was unglaublich schade als auch unfair ist.
Soviel zu diesem Thema vom Sprachimperialismus, zu dem ich das mal loswerden wollte.
Versteht mich nicht falsch, ich lerne immer noch gerne Englisch. Ich liebe auch Französisch und Russisch und lerne diese Sprachen, aber aus anderen Gründen als eine Vormachtsstellung in der Welt, sondern weil ich die Kultur und Menschen dieser Länder verstehen möchte.
Aber was ich damit auch sagen möchte:
Es ist vollkommen okay, wenn man nicht oder doch nur schlecht Englisch kann. Es ist sogar nicht falsches, denn niemand hat dir vorzuschreiben, welche Sprachen du sprechen sollst.
TL;DR: Englisch ist unfairerweise eine Weltsprache, sie ist zu kompliziert um einfach erlernbar zu sein, wirtschaftliche und ideologische Konflikte haben sie unrechtmäßig zur Weltsprache gemacht, es gab schon vorher "Weltsprachen" wie französisch und eine Lösung zum Problem könnte eine Plansprache sein, aber leider ist das unwahrscheinlich.
Egal, reden wir nicht von mir, sondern von Englisch. Warum schreibe ich das alles? Warum rede ich von einem Niveau, welches ich in einer Fremdsprache habe?
Der Ursprung darin liegt wohl in der Bildung. Da ich 2008 eingeschult worden bin, war ich in einem der ersten Jahrgänge an meiner Schule, der den Englischunterricht ab der 1. Klasse verpflichtend Englisch als Fremdsprache auf dem Lehrplan hatten. Ihr könnt euch aber vorstellen wie das Niveau in den ersten Klassen war - lächerlich.
Natürlich macht man sich erst keine Gedanken darüber, warum man Englisch lernt. Denn sie scheint ja definitiv eine wichtige Sprache zu sein. Deswegen habe ich bald schon zwölf Jahre Englischunterricht - theoretisch hätte ich diesen nach der 9. Klasse abwählen können - stattdessen habe ich das Fach als LK?!
Meine alte Grundschule beschreibt Englisch als "wichtige Kommunikationssprache in Wirtschaft, Kultur und dem Leben" und teilweise klingt es eher wie "unerbittlich gefragt". Auf meiner Schule wird ebenfalls in ähnlichen Tönen gelobt. Zitat: "Die Beherrschung des Englischen als lingua franca und der Erwerb der sprachlichen Kompetenz, sich in einer zunehmend von Mehrsprachigkeit geprägten Welt persönlich und beruflich verständigen zu können, ist ein unbestrittenes Postulat der englischen Fremdsprachendidaktik"
Aber mit welchem Recht? Sie ist die einzig richtig vorgeschriebene Fremdsprache in den meisten deutschen Bundesländern, auch meist begründet mit ähnlichen Parolen. Selbst Französisch, Russisch, Latein, Spanisch sind "optional", auch wenn es da eher eine verpflichtende Wahl von bestimmten Fächern darstellt. Aber auch in dem Großteil der anderen Länder dieser Welt ist Englisch eine wichtige Sprache - man redet in dem Fall von einer Lingua Franca. Das heißt, man kommuniziert in der Wirtschaftswelt in Englisch, in den Vereinten Nationen, wenn man in ein anderes Land reist (Sei es ein*\e Niederländer*\in nach Finnland), die meisten Inhalte im WWW sind auf Englisch.
Wir sehen, dass die Vorzeigestellung von Englisch ohne Frage gegeben ist. Eine solche internationale Lingua Franca ist sicherlich nicht was schlechtes. Sie macht es einfacher, Verständnis auf der ganzen Welt zu erzeugen und Diplomatie als auch wissenschaftliche Inhalte als auch (leider) im Kontext der Globalisierung das Verständnis in der Wirtschaft zu schaffen.
Aber wenn man mal drüber nachdenkt, ist es schon merkwürdig, dass eine Sprache wie Englisch Weltsprache ist, jetzt abgesehen vom historischen Kontext, auf welchen ich gleich komme, sondern im Sinne von Grammatik und Wortschatz. Die Sprache selbst ist sehr eurozentrisch, mit vielen Einflüssen aus den indogermanischen, den vulgärlateinischen (aus dem Altfranzösischem) und partiell keltischen Sprachen. Die Sprache ist somit nicht wirklich die einfachste für Nicht-Muttersprachler\*innen, denn schon ihre Aussprache ist eine große Problematik. In Frankreich ist das laute "h" ein Problem - so wird aus "I have happiness inside me" mal schnell "I 'ave a' peni…" okay, lassen wir das. Ansonsten gibts das th und w/v, was besonders den Deutschen Spaß bereitet, weil daraus meist eher "se next train in sis willetsch will arreif in sri hauers."
Abgesehen davon ist die Grammatik teilweise unangenehm. Immerhin haben wir hier keine drei Artikel, sondern nur 'the', viele Mehrdeutigkeiten werden im Englischen eliminiert (If/when). Aber kaum kommen wir zu den Zeiten, wird es echt lustig. Simple present, present perfect, past perfect, past perfect continouus usw… die einzige Lösung hier ist Pauken oder vereinfachtes Sprechen, da es sonst in ein Gehirn einer Person, die Englisch als Muttersprache nicht hat, niemals reinpassen wird.
Wenn wir sehen, dass Englisch lernen doch teilweise eine Qual ist, fragt man sich: Ist es nicht unfair, dass die Briten/Iren/Kanadier/Amerikaner (Gendersternchen habe ich hier nicht reingebracht weil ich zu faul bin das vor dem BBCode Zeugs richtig zu formatieren) wohl keine Mühen haben, irgendwo in der Welt rumzureisen oder einen Job zu kriegen, da ihre Sprache eine Vorstellung besitzt? Während sich ehemalige DDR-Bürger\*innen sich mit abmühen müssen, grundlegenes Englisch zu lernen, da ihre Kenntnisse in der Schulzeit auf Russisch beschränkt waren, und wohl wahrscheinlich Schwierigkeiten im Ausland haben, können die Briten unbesorgt und bedingungslos in ein Café laufen, in ihrer Sprache bestellen und werden auch nicht komisch angeschaut (Frankreich ist da zum Glück eine Ausnahme). Die Sprache eines bestimmten Landes ist somit eine Weltsprache - wodurch sie auch 100%ig parteiisch ist. Sie hat sich nur in einem Ideologiekonflikt durchsetzen können, da…
Hier kommen wir zum historischem Kontext. Denn Englisch war nicht immer Weltsprache, wie manche vermuten können. Tatsächlich ist es erst 1918 relativ normal, seit 1991 erst legitim gesehen normal, dass Englisch die Lingua Franca in so jedem Sprachraum der Welt stellt. Davor wurde der Konflikt eher zwischen Französisch und Deutsch ausgetragen, die ihre neue Machtstellung sichern wollten (teilweise war Deutsch eine international sehr angesehene Sprache, Funfact), davor war es lateinisch und französisch als "edle" Sprachen, was sich aber wohl auf den europäischen Raum beschränkt hat.
Alle diese Sprachen stammen aus wahrlich imperalistischen Bestrebungen. Alle genannten Sprachen besaßen/besitzen eine Stellung in Ländern, die entweder Kolonialmächte oder Mehrvölkerstaaten waren. Viele ehemalige Kolonien von Spanien, Frankreich, Großbritannien - teilweise auch Namibia als deutsches Beispiel - sind stark durch die Besetzer geprägt - deren Sprachen sind heute fester Bestandteil dieser Länder.
Aber natürlich ist Kolonialismus nicht das gleiche wie wirtschaftliche Dominanz, was anscheinend hier der führende Faktor ist. Denn Englisch ist nicht aufgrund der Briten direkt Weltsprache geworden (es hat auch dazu beigetragen), sondern auch durch die wirtschaftliche Dominanz der Vereinigten Staaten, und die Verdrängung von Plansprachen in den 30ern.
Dass heute Englisch die Sprache der Wirtschaft ist, wurde ja schon vorhin geklärt. Es lässt sich darauf zurückführen, dass ab den 20ern/ nochmals nach der Depression in den 30/40ern die USA eine wirtschaftliche Großmacht werden konnte, wodurch auch ihr kultureller Einfluss stärker wurde - was auch wohl Teil des Ideologiekonfliktes mit dem Osten war. So war es ja auch in der Weimarer Republik der kurzen Zeit hipp, sich amerikanischer Kultur anzupassen - Swing, Bebop, Kinos, eigene Karre und Reihenhaus wurden herzlich mit aufgenommen. Jedoch wurde das im Verlauf der Zeit immer intensiver. Besonders nach 1945 begann die Vormachtsstellung der USA in der "westlichen Welt", welche ja erstmals unter den Industrienationen Amerikas und Europas unter dem Millitärbündnis der NATO vereinigt waren. Der Ideologiekonflikt zwischen der Marktwirtschaft und dem Realsozialismus zeigten die Relevanz von soziokulturellen und wirtschaftlichen Einflüssen - welche beide auch mit der Sprache zu tun hatten. In der DDR war es typisch, Russisch zu lernen, in der BRD war es Englisch, durch die "steigende Relevanz" der Sprache. Dass sich die USA am Ende "durchsetzen" konnte, verstärkte diesen Effekt nochmal. Und somit sind wir heute da, wo wir sind.
Aber was wäre die Alternative zu diesem Kram gewesen?
Ich habe vorhin Plansprachen erwähnt, die erstmals nach Einfachheit, Unabhängigkeit und Universalität streben wollten. Esperanto war/ist wohl die erfolgreichste dieser Konstrukte, welche neben einer einfachen Grammatik und einfachem Wortschatz auch von allen Nationen unabhängig sein sollte. Das Ziel: Jeder soll seine Muttersprache und Esperanto sprechen, denn auf Kommunikation und Diplomatie kommt es an. Zamenhof, der Erfinder der Sprache, wuchs in Białystok auf, einer ethnisch komplett durchmischten Stadt, welche in weniger von dreißig Jahren mehreren Mächten angehörig war. Zamenhof wollte Esperanto als vereinigende Sprache schaffen - welche auf Dauer den Weltfrieden sichern soll.
Auch wenn die Sprache noch sehr eurozentrisch war, war sie deutlich einfacher als andere jegliche europäische Sprachen und gewann auch schnell an Popularität. Nach dem ersten Weltkrieg wurde z. B. auch der Völkerbund geschaffen. Diskutiert wurde auch in dem, ob man Esperanto als allgemeine Verkehrssprache verwenden solle. Alle Vertreter der Nationen haben bei der Abstimmung dafür gestimmt - mit der Ausnahme vom Veto des französischem Abgeordneten - man rätstelt bestimmt immer noch sehr, warum er das getan hat. (Ironie, btw.)
Im Schatten der frühsowjetischem (also dem Stalinismus) und der nationalsozialistischen Diktaturen wurde die Plansprache systematisch verdrängt, verboten, als auch Esperantisten verfolgt. Was bleibt, sind Fragmente.
So ist es auch heute. Es ist unwahrscheinlich, dass in nächster Zeit sich eine Plansprache als legitime Sprache durchsetzen wird. Was unglaublich schade als auch unfair ist.
Soviel zu diesem Thema vom Sprachimperialismus, zu dem ich das mal loswerden wollte.
Versteht mich nicht falsch, ich lerne immer noch gerne Englisch. Ich liebe auch Französisch und Russisch und lerne diese Sprachen, aber aus anderen Gründen als eine Vormachtsstellung in der Welt, sondern weil ich die Kultur und Menschen dieser Länder verstehen möchte.
Aber was ich damit auch sagen möchte:
Es ist vollkommen okay, wenn man nicht oder doch nur schlecht Englisch kann. Es ist sogar nicht falsches, denn niemand hat dir vorzuschreiben, welche Sprachen du sprechen sollst.
TL;DR: Englisch ist unfairerweise eine Weltsprache, sie ist zu kompliziert um einfach erlernbar zu sein, wirtschaftliche und ideologische Konflikte haben sie unrechtmäßig zur Weltsprache gemacht, es gab schon vorher "Weltsprachen" wie französisch und eine Lösung zum Problem könnte eine Plansprache sein, aber leider ist das unwahrscheinlich.