Ja was ist denn jetzt dieser Kommunismus?!

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Nihiltarier

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25 Feb. 2015
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Das ist nur eine Begriffsklärung. Da ich jetzt auch in Bezug auf China einen ziemlich merkwürdigen Diskurs gesehen habe, der den Begriff "kommunistisch" inflationär verwendet, auch hier im Forum, fand ich es nötig, Klarheit zu schaffen.
Naja, eigentlich wollte ich nur meine Schreibskills tranieren.
Es gibt tatsächlich noch einen sehr alten Beitrag über das Definitionsverständnis:
https://www.gommehd.net/forum/threa...t-wissen-was-kommunismus-wirklich-ist.714568/
Aber der ist lang, nicht neutral und ich machs kurz.

Es gibt drei bis vier Begriffe, die man mit dem Schlagwort "Kommunismus" in Verbindung setzt.
  1. Sozialismus
  2. Diktatur des Proletariats
  3. Kommunismus
  4. Marxismus
Fangen wir beim Marxismus an.
Der Marxismus versteht sich zunächst als eine politische Theorie. Entwickelt von Karl Marx und Friedrich Engels, wurde sie zu einer der wichtigsten politischen Strömungen des 20. Jahrhunderts. Sie beinhaltet soziologische, gesellschaftspolitische, philosophische und wirtschaftliche Standpunkte.
Die Philosophie richtet sich an Hegels Dialektik. Aus einer These und einer Antithese (sowas wie einem Widerspruch) soll eine Synthese gebildet werden, sowas wie ein Art Kompromiss. Hier ein nettes Schaubild dazu (findet man schnell im Internet)
iu

In Laufe seines Lebens wurde Marx ein Kritiker der hegelschen Rechtsphilosophie und Staatsform, und kam zu seinen eigenen Überzeugungen. Da er in der Zeit der Industralisierung lebte, bekam er das Schicksal der Arbeiterklasse mit. Daraufhin entwickelte er die Kritik der politischen Ökonomie (die politische Ökonomie wird heutzutage als die Volkswirtschaft verstanden), die sich als "rationale Kritik" der kapitalistischen Produktionsverhältnisse verstand. Alsbald entwickelten sich verschiedene sozialistische Theorien, die btw erst nichts mit Marx zu tun hatten.
Lenin beschreibt das Phänomen wie folgt:
Alsbald kamen verschiedene sozialistische Lehren auf, als Widerspiegelung dieser Unterdrückung und als Protest gegen sie. Doch der ursprüngliche Sozialismus war ein utopischer Sozialismus. Er kritisierte die kapitalistische Gesellschaft, verurteilte und verfluchte sie, träumte von ihrer Vernichtung, phantasierte von einer besseren Ordnung und suchte die Reichen von der Unsittlichkeit der Ausbeutung zu überzeugen.
Im Kontrast dazu standen Marx und Engels. Sie entwickelten eine Kritik der kapitalischen Produktionsverhältnisse, und behaupteten, die Gesellschaft sei zu verändern, aber auf eine progressive Art und Weise, auch im Verständnis, wie denn der Kapitalismus funktionieren würde.
Aus dieser Theorie entwickelten sich erst die Schlagwörter des Sozialismus und des Kommunismus, die werden im Folgenden erklärt.

Der Sozialismus, auch bekannt als die Diktatur des Proletariats, beschreibt die Gesellschaft, die auf dem Sturz des Kapitalismus folgen soll. Übergeordnet lässt sich das als die "Demokratisierung der Wirtschaft" verstehen, indem nicht mehr die Großgrundbesitzer oder die Reichen die Produktionsmittel besaßen (sowas wie Felder und Fabriken), sondern die ArbeiterInnen, auf der Grundlage von basisdemokratischen Strukturen entscheiden, wie sie mit ihren wirtschaftlichen Gütern umzugehen haben. Mögliche Formen können hier z. B. Genossenschaften sein.
Der Sozialismus versteht sich auch als Übergangsphase hin zum Kommunismus, sie ist nicht ewig, wird aber lange Zeit beanspruchen. Denn hier gilt es, soziologisches, kulturelles, politisches und wirtschaftliches Verständnis nachhaltig umzuformen, sodass eine kommunistische Gesellschaft die Möglichkeit wird.
Der Begriff "Diktatur des Proletariats" kann hier auch falsch verstanden werden. Nein, der Begriff hat nichts mit einer Diktatur (wie in der DDR) zu tun, sondern ist eher eine Parodie des Begriffs "Staat". Nach Marx und Engels ist diese Diktatur der Staat, der die Interessen einer bestimmten Gruppe stützen soll. Die bürgerliche Demokratie, die Marx und Engels bezeichneten, würde sich nur für die Interessen der Reichen und der besitzenden Klasse richten, während die besitzlose Klasse, die der Arbeiter, nicht das gleiche Bestimmungsrecht haben. Das Verhältnis soll in der "Diktatur" des Proletariats anders sein, indem die politische Macht von den Reichen delegitimiert wird, da sie eh schon nur eine Minderheit darstellen. Ersetzend soll ein "Staat" entstehen, der auf der Form einer Räterepublik basieren soll. Nur diese Form schienen auch Marx und Engels legitim. So äußerte sich Engels:

Der sozialdemokratische Philister ist neuerdings wieder in heilsamen Schrecken geraten bei dem Wort: Diktatur des Proletariats. Nun gut, ihr Herren, wollt ihr wissen, wie diese Diktatur aussieht? Seht euch die Pariser Kommune an. Das war die Diktatur des Proletariats." F. Engels, 1891, MEW 17, 623-625.

Die Pariser Kommune war eine Räterepublik, btw.

Marx und Engels sahen den Staat als Notwendigkeit an. Dieser steht immer hinter einem einseitigem Interesse, einer Gruppe. Dabei sahen sie die Bourgeoisie als die eine, das Proletariat als die andere, die größere Gruppe. Dieses Verhältnis von zwei Gruppierungen sollte abgeschafft werden, denn darauf kann der Staat abgeschafft werden und somit jegliche poltische Gewalt, die nach dem Marxismus zu vermeiden war. Der Sozialismus ist somit Mittel zum Zweck.

Der Kommunismus beschreibt zuletzt die Idee der klassenlosen, staatslosen und besitzlosen Gesellschaft. In dieser sollen keine Klassen wie das Proletariat mehr existieren, die Menschen sind frei und von jeglicher Gewalt und dem Elend befreit. Diese (ja, Utopie) steht am Ende des Sozialismus und soll auf demokratischen Grundsätzen basiert sein.

Nach dieser Definition folgt also:
Es gab in der Menschheitsgeschichte nie den Kommunismus. Man redet zwar des Öfteren auch vom Urzeitkommunismus (wer es googlen möchte, mach halt), jedoch ist dieser umstritten. Also vermeidet auch bitte den Begriff "kommunistischer Staat", da es sich um einen Widerspruch handelt (der Kommunismus möchte den Staat abschaffen), sondern redet vom sozialistischen Staat, vielleicht auch vom realsozialistischen Staat.

Auch hier ist anzumerken: Was ist sozialistisch, was nicht? Die UdSSR war formal eine Räterepublik (bzw. eine Sowjetrepublik), aber die wurde entmächtigt. Die Frage bleibt euch überlassen.

Bei sonstigen Unklarheiten oder Fragen zum Thema, fragt ruhig hier im Thread, ich helfe gerne.

Dankeschön für die Aufmerksamkeit xoxo
 
lol komm mal runter
ja, sorry dass ich die Antithese nicht als das Produkt des Subjekts beschrieben habe; Thread ist vereinfachend und habe extra noch ein wunderhübsches Bild hinzugefügt damit jeder denkt "jippie wie schö" ach mir egal hier bisschen Engels

Die Dialektik, die sog. objektive, herrscht in der ganzen Natur, und die sog. subjektive Dialektik, das dialektische Denken, ist nur Reflex der in der Natur sich überall geltend machenden Bewegung in Gegensätzen, die durch ihren fortwährenden Widerstreit und ihr schließliches Aufgehen ineinander, resp. in höhere Formen, eben das Leben der Natur bedingen.

Und tschüss
 
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