Die Ragemode Geschichte

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Rezonate

Mitglied
30 Juni 2016
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Dortmund
Heyho Leute! Dies ist unsere "Ragemode" Geschichte! Die Story hat an sich nichts mit dem Spielmodus Ragemode zu tun, aber alle vorkommenden Personen und Clans kommen aus der Ragemode Community. Vorab, wenn du lange Texte nicht magst, kannst du direkt wieder gehen. :)

Die weiteren Kapitel werden wir als neuen Beitrag hier drunter schreiben, also schön auf "Thema Beobachten" schalten.

Wie kam die Story zustande? Zwei Dinge haben mich dazu gebracht: Zum einen habe ich viel Kontakt zu Internetfreunden, zum anderen liege ich nachts öfter eine längere Zeit wach im Bett ehe ich einschlafe. Wenn ich also nachts im Bett liege, denke ich über jeden Müll nach, z.B. wie es wäre meine Internetfreunde im Reallife zu kennen, oder dass ich mit ihnen auf einer Insel strande. Ich hatte viele Ideen und war richtig motiviert eine solche Geschichte zu schreiben, doch ich wusste, dass ich so etwas nie durchziehen würde, weil meine Motivation bei so etwas nie lange anhält. Irgendwann habe ich mir dann im Gomme Forum Beiträge durchgelesen, in denen die Leute ihre Zeit auf dem Netzwerk beschrieben haben. Da dachte ich mir, dass ich sowas doch auch machen könnte, vielleicht auch speziell für den Spielmodus Ragemode, denn nach ca. vier Jahren habe ich dort ordentlich was erlebt.
Ich teilte diese Idee mit Tim, aka 2_THW. Wir schrieben ein wenig darüber, und daraus hat sich dann die Idee einer "Ragemode Geschichte" geformt, mit all den Clans, Personen, Konflikten usw.
Diese Idee hatte Potenzial, und da ich nicht alleine schreiben wollte, habe ich Tim einfach gezwungen mitzumachen. In die Planung von z.B. dem Ablauf der Story, wo es sich abspielt, Details, Logik usw. haben wir vermutlich viel mehr Zeit investiert als in das Schreiben selbst. Auch wenn wir nicht jeden Tag fünf Stunden daran gesessen haben, sondern auch mal ein bis zwei, Wochen Pause hatten, haben wir einiges an Zeit in dieses Projekt gesteckt, und nun, nach drei Monaten, sind die ersten vier kleinen Kapitel endlich fertig. Heute und nächstes Wochenende veröffentlichen wir jeweils zwei Kapitel, danach versuchen wir alle 2 Wochen mindestens ein weiteres Kapitel heraus zu bringen.

Zur Story: Auch wenn vieles der Wahrheit entspricht, sind manche Dinge für die Story geändert. Kein Clan oder Spieler soll schlecht dargestellt werden. Es dient alles nur zur Unterhaltung!
Wenn mehrere Leute Ideen haben, oder zusammen an einer Idee arbeiten, kommt bestimmt was besseres raus, als wenn Tim und ich wieder, wie in den letzten vier Kapiteln, alles alleine machen würden. Wenn euch also gute Ideen einfallen, könnt ihr eine Unterhaltung mit uns starten und uns dort eure Ideen zukommen lassen. Auf Wunsch können wir euch auch in eine WhatsApp Gruppe hinzufügen, wo wir zusammen an Vorschlägen arbeiten. Die Entscheidung was reinkommt und was nicht, und das Schreiben der Story, lassen wir uns aber nicht nehmen.


Kapitel 1
Sicht: NemesisTim [Rage100]



Es war warm. Ich spürte die Sonnenstrahlen auf meinem Körper, und die Schweißtropfen auf meiner Stirn. Als ich die Augen öffnete, sah ich den wolkenlosen Himmel, und im Augenwinkel ein paar Bäume. Das Vogelgezwitscher hatte mich wohl geweckt. Ich lag auf einer Wiese, ich hätte ewig dort liegen bleiben können. Ich drehte den Kopf und hielt die Hand vor mein Gesicht, damit ich nicht von der Sonne geblendet werde. Ich sah den Rand eines Waldes. Ich drehte den Kopf in die andere Richtung, doch konnte wegen einer Erhöhung des Bodens nicht viel sehen. Nachdem ich aufgestanden war, konnte ich eine schöne Landschaft betrachten. In der Nähe lag ein Fluss, welcher in das Meer mündete.
Hinter dem Wald schien ein kleiner Berg zu sein. Die grüne Landschaft war bezaubernd. Es sah aus wie ein Paradies. Doch wie zum Teufel bin ich in dieses Paradies gelangt?
Das letzte, an das ich mich erinnern kann ist dass ich gestern mit einem Kumpel bis mitten in die Nacht geschrieben habe. Ich kann mich nicht an das Ende des Gesprächs erinnern, bin ich mal wieder einfach so eingeschlafen? Das muss ein Traum sein. Moment. Ich weiß dass ich träume, und kann nach meinem eigenen Willen handeln. Ein luzider Traum? Wie lange habe ich darauf gewartet! Ich habe bisher davon nur gehört, dass man bei einem luziden Traum machen kann was man will. Mein Vater sagte mir, er habe nur daran gedacht, wie es wäre zu fliegen, und schon sei er im Traum geflogen, dann müsste das bei mir ja genau so gehen. Gut. Ich wollte schon immer unsichtbar werden können, oder mich teleportieren können. Also dachte ich daran, unsichtbar zu werden, doch es passierte nichts. Zielstrebig dachte ich stärker daran, doch es passierte wieder nichts. Ich setzte mich auf die Wiese und konzentrierte mich fünf Minuten lang, es geschah nichts. Enttäuscht blickte ich auf meine Hände, die immer noch sichtbar waren. Ich stand auf. „Dann versuche ich es eben mit Teleportation“ murmelte ich vor mich hin.
Ich stellte mir vor, mich zu dem Fluss zu teleportieren, doch dies funktionierte auch nicht.
Enttäuscht sank ich wieder auf die Wiese. War dies vielleicht doch kein Traum? Doch, es muss ein Traum sein. Ich sah nachdenklich auf meinen Arm. Ich nahm eine Hand und kniff mir in den Arm. Es tat weh. Also stimmt es nicht, dass man im Traum keinen Schmerz spürt? Verwirrt stand ich auf, und beobachtete noch einmal meine Umgebung. Erst jetzt bemerkte ich, dass ein schwarzer Rucksack nicht weit von mir im Gras lag. Ist das mein Rucksack? Was ist in ihm? Ich ging auf ihn zu und öffnete ihn. Ich sah einen Haufen Kleidung. Ich sah an mich hinunter um zu sehen, was ich überhaupt trug. Dunkelrot, schwarze Schuhe, eine schwarze Jogginghose, und einen dunkelroten Pullover, dessen Ärmel hochgekrempelt waren. Ich legte die Kleidung raus und stieß auf eine leere Wasserflasche und einen Schal. Ich öffnete ein zweites, kleineres Fach. Dort fand ich mehrere Müsliriegel, eine Kette, einen Verband und einen Kompass. Ich legte alles vor mir in die Wiese und betrachtete die Gegenstände und die Kleidung. Ich wollte schon immer mal in der Natur ausgesetzt sein und um mein Überleben kämpfen. Sowas mochte ich schon immer, und so lange ich noch träume, würde ich das beste daraus machen!

Ich dachte nach. Als erstes müsste ich mich um Wasser, Nahrung und einen geeigneten Unterschlupf kümmern. Außerdem müsste ich die Umgebung erkunden.
Ich kann das Meer sehen, bin ich auf einer Insel? Oder viel wichtiger, bin ich alleine?
Ich packte alles wieder in den Rucksack, bis auf Kette, Kompass und einem Müsliriegel.
Ich schaute auf den Kompass, und beschloss zuerst zum Fluss zu gehen, und ihm dann bis zum Meer zu folgen. Ich steckte den Kompass und den Müsliriegel in die Taschen meines Pullis und betrachtete die Kette. Sie war wie mein Pullover dunkel rot, mit etwas Silber an dem Rand. Sie war wie ein umgedrehtes Feuer geformt, oder wie ein Flammenschwert. Ich kannte die Kette und ihre Bedeutung nicht.
Ich legte mir die Kette einfach um und machte mich auf den Weg zum Fluss. Ich ging am Waldrand entlang und beobachtete die Landschaft und ein paar Vögel. Ich holte den Müsliriegel aus der Tasche meines Pullovers Es war ein Müsliriegel mit Schokogeschmack. Ich öffnete die Verpackung und biss ein Stück ab.
Als ich am Fluss ankam, hatte ich den Müsliriegel schon verputzt. Ich hatte ihn extra langsam gegessen, denn ich musste mir die Nahrung gut aufteilen wer weiß wann ich etwas essbares finden würde. Der Fluss schien nicht besonders tief, denn ich konnte ein paar Fische schwimmen sehen Angeln könnte ich hier, also würde Nahrung kein Problem sein Ich habe zu Hause ab und zu mit meinem Vater, Onkel oder Opa geangelt. Ich stellte mich an den Rand des Flusses, ging in den Schneidersitz und beobachtete die Fische in dem hellblauem Wasser. Ich legte den Rucksack neben mich und holte die Flasche heraus um sie mit Wasser zu füllen. Die Fische wichen ruckartig zurück und schwammen in einem großem Bogen um die Flasche. Ich nahm die Flasche aus dem Wasser und wollte einen Schluck trinken, da kam mir die Frage, ob ich Flusswasser überhaupt so trinken könnte?
Der Fluss sieht zwar sauber aus, aber was ist mit Bakterien, oder dem Kot der Tiere?
Ich verbannte diesen Gedanken aus meinem Kopf und trank, denn ich war sehr durstig und hatte schließlich keine andere Möglichkeit schnell an Wasser zu kommen. Nachdem ich meinen Durst gestillt hatte, füllte ich die Flasche noch einmal mit Wasser. Ich sah zu dem Wald, aus dem der Fluss kam, und sah ein paar Eichhörnchen. Ich grinste, drehte mich um, und folgte dem Fluss bis zum Meer. An manchen Stellen im Fluss lagen Steine. Über diese könnte man leicht den kleinen Fluss überqueren, ohne einen Fuß ins Wasser setzen zu müssen.
Am Strand angekommen sah ich in die Ferne, und weit und breit war keine andere Insel zu sehen. Ich müsste also vielleicht einmal die komplette Insel umrunden, dann habe ich auch einen Überblick wie groß sie ist oder ob andere Inseln in der Nähe liegen.
Ich zog die Schuhe und Socken aus und krempelte meine Hose hoch und ging bis zu den Knien ins Wasser. Ich mochte diesen Strand. Hier war es nicht so wie an den Stränden wo ich sonst war. Hier gab es wenigstens feinen Sand. Sonst kannte ich den Strand nur so, dass der Boden zwischen dem eigentlichen Strand und dem Wasser aus Pflastersteinen bestand. Diese waren dann auch noch mit Moos und Algen überwuchert, sodass man immer aufpassen musste, nicht auszurutschen. Zudem war ich hier alleine, und nicht unter tausenden Menschen.
Ich sah zur Sonne, welche wohl nicht mehr lange am Himmel stehen würde. Ich ging aus dem Wasser und steckte die Schuhe und die Socken in den Rucksack. Ich ging wieder in Richtung Wald, denn ich müsste irgendwo einen Platz zum Übernachten finden. Am Waldrand angekommen überquerte ich an einer geeigneten Stelle den Fluss und suchte mir einen hübschen Baum unter dem ich es mir gemütlich machen könnte/konnte?. Ich legte mir den Rucksack vor den Baum, und legte mich mit dem Hinterkopf auf ihn. Ich beobachtete noch wie die Sonne hinter dem Horizont verschwand, und lauschte dem Plätschern des Flusses und dem Vogelgezwitscher, bis ich einschlief.
Als ich die Augen wieder öffnete, stand der Mond noch hoch am Himmel. Ich drehte mich um und wollte weiterschlafen, doch der Boden wurde langsam unbequem, also nahm ich meinen Rucksack und ging ein paar Meter weiter und legte mich in die Wiese. Diese war deutlich bequemer, und ich konnte den Sternenhimmel besser sehen. Ich hörte ein paar Eulen und ich sah ein paar Sternschnuppen. Dann raschelte es in einem Gebüsch.
Ich blieb ruhig liegen und konzentrierte mich auf das Rascheln. Ich fragte mich welches Tier es sein würde, vielleicht doch ein gefährliches Tier? Ich sollte lieber nachsehen.
Ich stand auf und betrachtete die Büsche, die durch das Mondlicht gut beleuchtet wurden, doch ich konnte nichts erkennen. Ich ging ein paar Schritte auf die Büsche zu, als sich plötzlich von hinten etwas auf mich stürzte. Es war ein anderer Junge. Ich fiel nach vorne in die Wiese.
„Ey!“ Schrie ich und versuchte mich zu wehren, doch der Junge saß bereits auf mir und drehte mir die Hände auf den Rücken.
„Ich hab ihn!“ rief er. Ich wollte mich wehren, doch sein Griff war ziemlich stark.
In dem Moment kam ein weiterer Junge mit einem Seil in der Hand aus dem Busch. Er musste die Geräusche verursacht haben.
„Ich war eine gute Ablenkung, oder, Julius?“ fragte er ihn.
„Jaja, komm und binde ihn fest, und bind ihm was um den Mund, damit er nachher nicht rufen kann, sonst weckt er gleich noch die anderen.“
Der mit dem Seil tat was ihm gesagt wurde.
Es gab also doch noch andere Leute hier, sogar in meinem Alter, leider sind sie wohl nicht all zu friedlich gesonnen. Sie drehten mich auf den Rücken und Julius beugte sich über mich.
„Komisch. Dich habe ich letztens gar nicht gesehen“, sagte er. Kurz darauf schlug er mir ins Gesicht.
„Man muss eben zuschlagen wenn man schon die Möglichkeit dazu hat, so wie ihr es mit mir auch getan habt“.
Was zum Teufel labert er? Ich spürte wie mir das Blut aus der Nase lief. Diese Schweine sind so feige, trauen sich keinen richtigen Kampf, kommen aus dem Hinterhalt und schlagen erst zu, wenn man wehrlos ist.
„Wir bringen dich nun zu den anderen, und am Morgen wird unser Anführer dann entscheiden, was mit dir passiert“, sagte Julius mit einem hinterhältigen Lächeln im Gesicht.
Timi: Die beiden packten jeweils einen Arm und zogen mich hinter sich her in Richtung Wald. Nach etwa 5 Minuten waren wir am Waldrand angekommen.
„Jetzt brauchen wir noch ca. eine Stunde bis zu den anderen“, sagte Julius.
Eine Stunde?! Mir tut jetzt schon der Rücken weh und wie können die in der Dunkelheit überhaupt wissen wo sie lang müssen?
Der Waldboden war dreckig und uneben, was die beiden anscheinend auch gemerkt hatten, denn auf dem unebenen Boden kamen sie mit mir wohl nicht so schnell voran wie vermutet. Julius ging nach hinten und griff nach meinen Beinen und der andere packte meine Arme. Nun trugen sie mich durch den Wald.
„Das ist kein Extra Service, verstanden? Wir wollen nur schneller voran kommen, also genieß´ es, solange du noch kannst“, meinte Julius.
Ich weiß nicht ob ich vor dem “solange du noch kannst“, Angst haben sollte oder nicht.
Die Zeit verflog. Es fühlte sich gar nicht wie eine Stunde an. Ich war erstaunt, dass die beiden mich mit nur einer kurzen Pause durch den Wald tragen konnten. Ich konnte in der Dunkelheit kaum etwas sehen, doch sie kamen mir nicht besonders stark vor.
„Da ist es“, sagte Julius erleichtert. Sie trugen mich noch ein paar Meter, und ich konnte ein Feuer und mehrere Hütten erkennen.
„Los, binden wir ihn an den Baum“, sagte Julius und zeigte auf einen Baum der etwas abseits von den Hütten stand. Und schon saß ich da, gefesselt an einen Baum.
„Komm, lass uns schlafen gehen, wir haben unseren Job für Heute gemacht“, sagte Julius.
Ich war auch erschöpft, auch wenn ich die ganze Zeit getragen wurde. Mir tat alles weh, und ich konnte kaum ein Auge zu machen. Die Nacht neigte sich schon dem Ende zu, bis ich endlich einschlief.


Kapitel 2
Sicht: NemesisTim [Rage100]



Ich wachte auf. Die Sonne stand noch nicht hoch am Horizont, also habe ich wohl nicht lange geschlafen. Auch die anderen waren wohl noch am schlafen, nur aus der Ferne hörte ich ein paar Stimmen. Als ich mich genauer umsah, saß ein paar Meter weiter ein Junge im Schneidersitz in der Wiese und beobachtete mich mit einem nachdenklichen und etwas neugierigen Blick. Er hatte hellbraune Haare und hellbraune Augen, und ein paar Sommersprossen im Gesicht. Wir sahen uns einen Moment lang an, dann kam ein anderer Junge dazu. Als er den Jungen im Gras ansprach, erkannte ich ihn sofort. Es war Julius.
„Hey Eric, warum sagst du uns nicht dass er wach ist, wenn du schon hier rumsitzt?“, fragte Julius provokant.
„Er ist jetzt erst aufgewacht“, antwortete Eric.
„Achso. Ich sag eben Matthis bescheid“.
„Mach das“, sagte Eric, und sah mich wieder mit diesem Blick an. Langsam fing es an zu nerven. Wäre mein Mund nicht verbunden, würde ich ihn fragen warum er mich so blöd anglotzt, denn immer wenn mir ein Fremder länger als fünf Sekunden in die Augen schaut werde ich verlegen. Er machte keine Anstalten weg zu schauen, also machte ich den ersten Schritt und wandte den Blick dem kleinem zu, aus dessen Hütten mehrere Leute traten. Es waren um die zehn Leute, die sich versammelten und nun zu mir gingen. Sie stellten sich in einem Halbkreis um mich, und einer trat hervor, es war bestimmt ihr Anführer. Er band den Schal lose, der mir um den Mund gebunden wurde.
„Du bist also ein Neuer von TopRage?“, fragte er mich.
„Was ist TopRage? Ich weiß nicht wovon du redest, ich weiß nicht einmal wer ihr seid!“, verteidigte ich mich.
„Das würde ich auch sagen, wenn ich jemand wäre, den der Feind noch nicht kennt, und dann gefangen genommen wird“.
„Ich bin kein Feind! Ich weiß überhaupt nicht wer ihr seid, oder wo ich bin!“.
Plötzlich unterbrach Eric die Diskussion.
„Was wenn er wirklich keiner von TopRage ist? Was wenn er die Wahrheit sagt?“.
„Eric, sei ruhig wenn unser Anführer spricht“, warf Julius ein.
„Nein, lass ihn Ausreden, Julius“, sagte der Anführer.
„Ich glaube nicht, dass TopRage einen Neuzugang hat“, fuhr Eric fort. „Wir sind schon zwei Wochen auf dieser Insel, und auf beiden Seiten kam nie jemand hinzu, auch wenn auf beiden Seiten welche fehlen. Außerdem sind sie in der Unterzahl, warum sollten sie ihren Neuzugang direkt so ausliefern? Taktisch ergäbe das doch überhaupt keinen Sinn“.
„Da hat er recht!“, stimmte ihm jemand aus der Menge zu.
„Vielleicht finden wir ja einen Hinweis, wenn wir seine Sachen durchsuchen“, schlug das einzige Mädchen in der Gruppe vor.
„Gute Idee. Eric? Du bindest ihn los und durchsuchst ihn. Tom? Du übernimmst seinen Rucksack“, befahl der Anführer.
Gesagt, getan. Tom wühlte in meinem Rucksack herum, aber er schien nichts besonderes zu finden.
Eric befahl mir, den Pullover, welcher durch das Hinterherziehen im Wald nicht mehr besonders gut aussah, auszuziehen, er wollte ihn anscheinend untersuchen.
Ich war verwundert. Erst werde ich geschlagen und geknebelt, und nun habe ich diese Freiheiten?
Ich zog den Pullover aus, und die Menge geriet in Staunen.
„Er hat die selbe Kette wie du, Matthis!“, rief einer.
Unruhe brach aus. Jeder tuschelte mit seinem Nebenmann, nur das Mädchen und Eric betrachteten sprachlos meine Kette.
„Ruhe!“, rief Matthis der Anführer. „Woher hast du diese Kette?“, fragte Matthis misstrauisch.
„Als ich hier aufgewacht bin, lag sie in meinem Rucksack“, anwortete ich.
„Wie lautet dein Name?“. Ich zögerte. Ist es nun gut oder schlecht, dass ich diese Kette habe?
„Tim, richtig?“, fragte er. Ich schluckte. „Ja..“.
„Oh mein Gott.. Es ist Tim!“, rief er begeistert. Die Menge trat näher sodass nicht einmal mehr ein Meter Abstand zwischen uns war.
„Hätte ich gewusst wer du bist, hätte ich dich niemals so behandelt“, entschuldigte sich Julius.
„Aber..“, meine Stimme ging in dem Lärm unter.
„Moment mal!“, schrie ich. „Woher kennt ihr mich? Warum kenne ich euch dann nicht?“, fragte ich verwirrt. Die Menge begann zu schweigen.
„Er hat die Erinnerungen an uns verloren“, warf ein anderer Junge ein.
„Stimmt, sonst wüsste er, dass er unser Anführer ist“, sagte Julius.
„Anführer? Warum Anführer? Ich kenne euch doch nicht einmal“, sagte ich verzweifelt.
„Wie schon gesagt, du hast wohl deine Erinnerungen an uns verloren, oder sagt dir der Name Rage100 etwas?“, fragte Matthis.
„Nein“, antwortete ich.
„Lassen wir ihn sich doch erst einmal ausruhen, das ist ihm bestimmt gerade alles etwas zu viel“, schlug der Junge vor, der mich in der Nacht mit dem Seil gefesselt hatte.
„Gute Idee. Geht an die Arbeit, und Eric, du kommst mit mir. Wir reden jetzt erst einmal mit Tim, damit er weiß was hier abgeht“, befahl Matthis. Er machte eine Geste die Eric und mir symbolisierte ihm zu folgen. Als wir durch das Lager liefen, gingen wir an ein paar Hütten vorbei. Es waren keine richtige Hütten, zu mindestens noch nicht. Man sah dass es bald mal eine Hütte werden sollen. Sie hatten viele kleine Baumstämme in den Boden gerammt und oben mit irgendwelchen Pflanzen, und teils auch mit einem Seil zusammen gebunden. Wir gingen auch an dem Lagerfeuer vorbei, an dem gerade Julius stand und Feuerholz hinauf warf. Wir gingen zu einer Hütte. Die „Tür“ bestand aus Palmenwedeln durch die man einfach durchgehen konnte.
„Setz dich“, forderte mich Matthis auf „Es wird etwas dauern“. Ich sah zu dem Baumstumpf, der wohl als Stuhl diente.
„Oke..“, antwortete ich völlig planlos.
„Also, wo kommst du her, und weißt du, wie du hergekommen bist?“ fragte Matthis.
„Ich bin auf einer Wiese aufgewacht. Ich weiß nicht wie ich hier her gekommen bin. Wo bin ich überhaupt?“.
„Wir sind selbst noch nicht so lange hier, aber bisher sieht es so aus, als wären wir auf einer Insel.
Wir wissen auch nicht, wie wir hergekommen sind. Wir sind, so wie du, einfach hier aufgewacht, allerdings recht nah beisammen und zur selben Zeit, es müsste vor zwei Wochen gewesen sein. Und wir können uns zumindest erinnern, dass wir ein Clan sind. Bisher gab es keine Neuen, deshalb dachten wir zuerst, du seist von TopRage. TopRage ist ebenfalls ein Clan, mit dem wir allerdings nicht so gut zurecht kommen, weshalb du auch so schlecht behandelt wurdest. Tut mir echt Leid, dass es so gekommen ist“.
„Macht ja nichts“, sagte ich. „Ihr wusstet es ja nicht, und ich genauso“.
„Weißt du, wir haben ein paar Vereinbarungen mit TopRage ausgemacht. Zum Beispiel dürfen sie unser Gebiet nicht betreten. Julius dachte, du seist einer von ihnen der unser Gebiet betreten hat, deshalb hat er dich so behandelt“.
„Verstehe“, antwortete ich und betrachtete die Wunden an meinen Armen. Mein Gesicht schmerzte ebenfalls noch von Julius´ Schlag.
„Dabei muss ich sagen, Julius ist nicht der schlauste. Jeder andere hätte sich erst einmal die Frage gestellt, warum TopRage eines ihrer Mitglieder alleine in unser Gebiet schickt, obwohl sie schon in der Unterzahl sind“. Matthis entwich ein leises Lachen.
„Das macht es aber auch nicht besser“, antwortete ich gespielt beleidigt.
„Tut mir leid“, entschuldigte sich Matthis. „Nach dem Gespräch kümmern wir uns um deine Wunden“.
Eric ergriff das Wort.
„Es ist gut, dass du nun auch bei uns bist, doch das heißt auch, dass die anderen bestimmt auch welche dazubekommen haben“.
„Genau“, stimmte Matthis Eric zu. Es folgte ein kurzes Schweigen.
„Julius erwähnte vorhin, dass ich der Anführer dieses Clans bin?“, fragte ich verunsichert.
„Stimmt“, antwortete Eric. „Du und Matthis seid unsere Anführer, das sieht man auch an euren Ketten, denn nur die Anführer tragen so etwas“. Ich nahm die Kette in die Hand und sah sie kurz an.
„Aber mir liegt die Rolle des Anführers doch überhaupt nicht, ich bin doch viel zu schüchtern..Und Leuten Befehle erteilen mache ich auch nicht gern“, sagte ich.
„Wenn du nicht willst, kannst du das erst einmal mir überlassen. Und eigentlich behandeln wir uns alle gleich, nur wenn es halt um wichtige Dinge geht, habe ich das Sagen“, Matthis lachte kurz.
„Aber ich muss ja nicht alles alleine entscheiden. Wir sprechen uns oft gemeinsam ab. Wenn du dich bereit dazu fühlst, kannst du ja direkt mit einsteigen“. Er grinste mich an.
„Ich werde es versuchen“, sagte ich gespielt motiviert, doch in Wirklichkeit hatte ich Angst davor.
„Fein. Das war‘s dann erst einmal, hast du noch Fragen?“
„Ne, vorerst nicht“, antwortete ich.
„Gut. Eric? Geh mit ihm zum Fluss“, forderte Matthis ihn auf.. Eric nickte.
„Okay. Ich gehe dann mal den anderen helfen, Au Revoir“, verabschiedete sich Matthis und grinste.
Eric und ich blieben sitzen.
„Und du kannst dich echt an nichts erinnern? Auch nicht an Erixl?“, fragte er mich mit einem enttäuschten Gesicht.
„Nein, tut mir leid“, antwortete ich, enttäuscht von mir selbst. „Was ist Erixl?“, fragte ich.
„Egal“, antwortete er und wandte sich ab. „Komm, gehen wir zum Fluss“. Ich nickte und folgte ihm.
Auf dem Weg zum Fluss liefen wir an dem Baum vorbei, an dem ich die Nacht über gefesselt war. Nicht weit hinter dem Baum lag auch schon der Fluss. Hier war er etwas größer und tiefer, aber am Ufer konnte man noch gut stehen. Eric gab mir meinen Rucksack.
„Hier kannst du dich umziehen, ich kümmere mich dann um deine zerrissene Wäsche“, sagte er.
Ich zog meinen Pullover aus und gab ihn ihm. Ich wartete kurz.
„Jaja verstehe schon“, grinste er und drehte sich um. „Danke“, lachte ich und warf ihm meine Hose auf den Boden. „Warte hier bis ich zurück bin“. Er hob sie auf und verschwand. Ich ging in den Fluss. Das Wasser war etwas kalt, doch nach einer Zeit gewöhnte ich mich daran. Ich war seit vielen Jahren nicht mehr Schwimmen, da es mir ohne tauchen nie Spaß machte, ich konnte nämlich nicht tauchen. Also, ich konnte schon, nur hatte ich immer ein Problem mit meinen Ohren und dem Druck ---- Unterwasser ----. Ich bekam fürchterliche Schmerzen in den Ohren sobald ich nur mehr als einen halben Meter unter Wasser war. Aber vielleicht ist es hier ja anders. Ich tauchte unter. Der Fluss war mehrere Meter tief, und ich konnte unter Wasser noch gut sehen. Ich betrachtete die Fische und die Pflanzen. Es war toll, und ich spürte keine Schmerzen in den Ohren, was mich richtig freute. Beim Plantschen vergaß ich die Zeit, ich sollte mich doch waschen, aber womit überhaupt? Hier gab es ja keine Seife oder anderes Zeug. Naja, wird schon so passen dachte ich. Ich ging aus dem Wasser und betrachtete meinen Körper. Ich bemerkte, dass meine Wunden schon fast verheilt waren, und meine Nase tat auch nicht mehr weh. Ich war verwundert und fragte mich was mich noch alles erwarten würde. Ich huschte hinter den nächsten Baum und zog meinen anderen Pullover und die Hose an. Ich ging wieder zum Fluss, und ich merkte wie ich langsam müde wurde. Ich wartete nicht lange auf Eric. „Du siehst aus als hättest du Spaß gehabt“, sagte er lachend. „Ja, den hatte ich“, lachte ich zurück.
„Lag es daran das du keine Schmerzen in den Ohren gespürt hast?“, fragte er mich.
„Woher weißt du das?“, fragte ich verwundert.
„Tja“, sagte er.
„Nein, sag!“, forderte ich ihn auf.
„Nö, dass bleibt erstmal mein Geheimnis“, sagte er und streckte mir lachend die Zunge raus und gab mir meine Kleidung. Ich war erstaunt, sie sah wie neu aus.
„Wie hast du das hinbekommen?“, fragte ich neugierig.
„Das ist auch ein Geheimnis“, sagte er und zwinkerte mir zu.
„Aus dir wird man echt nicht schlau..“, sagte ich gespielt enttäuscht.
„Und normalerweise bist du nicht wie ein offenes Buch zu lesen“, lachte er mich an, und eigentlich hat er Recht. „Du siehst müde aus“, bemerkte er. „Willst du dich etwas ausruhen?“
„Gerne. Die letzte Nacht war ja etwas, na ja, du weißt was ich meine“. Er lachte.
„Du kannst dich bei mir in der Hütte ausruhen, komm mit“, forderte er mich auf.
„Wäre nett, Danke“, sagte ich und folgte ihm. Die Hütte zu die er mich brachte war die größte. Die vier Hütten bildeten eine Art Kreis, und das Feuer die Mitte des Kreises. Erics Hütte hatte noch gar keine Tür, sie haben hier einfach nur große Palmenwedel hingehängt.
„Willkommen in meinem Zuhause“, sagte er stolz. „Na ja, nicht meinem Zuhause, Simoms und Franzi leben hier auch noch“.
„Simoms? Was ist das denn für ein Name?“, fragte ich neugierig.
„Eigentlich heißt er Simon, aber wir haben hier zwei Simons, und irgendwer kam bei ihm mal auf Simoms. Also ist er Simoms, und der andere der normale Simon“, erklärte er mir.
„Wir haben hier auch noch einen zweiten Eric, aber ihn nennen wir Eric 2 oder einfach nur Bulle, das ist der, der dich mit dem Seil gefesselt hatte“.
„Ah. Der sieht mir aber nicht wie ein Bulle aus“, lachte ich, und er musste ebenfalls anfangen zu lachen.
„Ist ja auch nur ein Name“, meinte er. „Ach ja, und mit dir haben wir nun auch zwei Tims, mal sehen wie wir euch vom Namen her unterscheiden können, vielleicht einfach mit Tim und Timi oder so“, meinte er.
„Es gibt so viele Namen auf der Welt, und gleich drei Namen sind hier doppelt?“, fragte ich verwundert.
„So sieht‘s aus“, antwortete er kurz und knapp. „Aber nun solltest du dich ausruhen, damit du später fit bist“. „Aye aye, Sir!“, sagte ich lachend.
„Lass das, du bist mein Anführer, nicht umgekehrt“, lachte er.
„Ich sagte bereits dass ich dafür noch nicht bereit bin“, sagte ich nachdenklich.
„Jaja, aber das wird schon“, munterte er mich auf. „Und nun geh schlafen, ich muss an die Arbeit“, lachte er.
„Willst mich nur los werden“, lachte ich zurück. Auf einmal gab es einen Knall und einen wütenden Schrei. Der kam von Julius.
„Genau deshalb muss ich jetzt los“, sagte Eric gespielt verärgert.
„Ja dann mach mal“, lachte ich ihn an. Er verschwand. Als ich mich in der Hütte, welche übrigens keinen Boden hatte, umsah, bemerkte ich, dass jeder Schlafplatz scheinbar fest vergeben war. Eric sagte mir nicht, wohin ich mich legen sollte, also suchte ich mir einfach den gemütlichsten Platz aus. Na ja, gemütlich kann man wohl kaum sagen, wenn man auf dem harten Boden schlafen muss. Geschlafen wurde aber nicht direkt auf dem Boden, sondern auf einem Haufen von Palmenwedeln. Ein Kopfkissen hatte keiner, doch an einem Platz dienten extra Palmenwedel wohl als Decke, also legte ich mich dort nieder. Als Kopfkissen nahm ich einfach meinen Pullover.
Ich lauschte den Geräuschen um mich herum, die Leute, ein paar Tiere, der Fluss. Ich dachte über die ganze Situation nach. Wo bin ich hier nur gelandet? Es blieb mir nicht viel Zeit zum nachdenken, denn ehe ich mich versah, war ich eingeschlafen.


Kapitel 3
Sicht: 2_HW [RaRs]



Es hatte keinen Zweck mehr, weiter in diesem unbequemen Bett zu liegen. Ich war zwar todmüde, doch ich würde sowieso nicht mehr einschlafen, denn die Sonne ging bereits auf. Also stieg ich aus dem Bett, wobei mir Teile meiner Matratze folgten. Diese bestand nämlich nur aus eine Haufen von Moos und Nadelzweigen, ich müsste diese, genau wie die dünnen Baumstämme darunter, die auf einem Gestell aus Astgabeln und Ästen etwas erhöht lagen, wohl mal festbinden. Ich setzte es in meine gedankliche ,,to-do-Liste‘‘. Ich musste mich zuerst langsam bewegen, damit mir nicht gleich schwindelig wurde. Bevor ich irgendetwas anderes tat, ritzte ich, wie jeden Morgen, mit meinem Messer einen weiteren Strich in einen der Baumstämme, die die Basis meines Unterschlupfes bildeten. Damit zählte ich die Tage, die ich mich schon auf dieser Insel befand, gerade hatte ich den siebten hinzugefügt. Noch leicht geduckt kroch ich aus meinem halbfertigem Unterschlupf heraus, richtete mich dann aber etwas zu früh auf, sodass ich gegen einen Ast stieß, der später das Dach bilden sollte. Ein paar Zweige fielen von dem groben Gerüst des Daches ab und ich fluchte. Das war ja mal ein toller Start in den Tag!

Leicht benommen schaute ich mich nun in unserem Camp um. Es schienen noch alle zu schlafen, bis auf Niklas, den ich hinten bei unseren Zapfstellen an den Bäumen ausmachen konnte. Dort hatten wir die Zweige von Birken angeschnitten und Plastikflaschen an die Enden gesteckt. So tropfte dann langsam ein Saft in die Flaschen, der eigentlich wie Wasser schmeckte, ein ganz bisschen süßlich vielleicht. Über Nacht wurden die Flaschen meist halb voll und da jedem von uns drei Stück gehörten, reichten sie so gut, um uns alle für den ganzen Tag mit Wasser zu versorgen. Wie jeden Morgen war ich ziemlich durstig und ging deshalb zu Niklas hinüber.
Mit einem leisen „Moin“ begrüßte er mich.
„Morgen“, murmelte ich zurück.
„Na, schlecht geschlafen?“, fragte er, es war wohl offensichtlich.
„Wie kann man auf so einem harten Bett überhaupt gut schlafen? Und dann habe ich mir gerade noch den Kopf angestoßen…“
Vorsichtig tastete ich die betroffene Stelle ab, es tat immer noch ziemlich weh.
„Du musst einfach noch mehr weiches Zeug auf deine Stämme legen, dann wird das schon bequem. Außerdem gewöhnt man sich daran, denke ich.“
Ich erwiderte Niklas‘ Lächeln, denn ich wollte ihn nicht mit schlechter Laune nerven. Tatsächlich schien er sich schon an sein neues Bett gewöhnt zu haben, er sah ganz und gar nicht müde aus. Oder aber er hatte es sich nur angenehmer gebaut, ich nahm mir vor, es später anzusehen. Über unsere Erfahrungen mit dem Bau der Unterschlüpfe mussten wir uns sowieso einmal besser austauschen, bis jetzt hatten nämlich alle allein oder zu zweit gearbeitet.
Inzwischen hatte ich eine meiner drei Plastikflaschen gefunden. Ich hatte sie am letzten Abend leer an den Ast gesteckt, und nun war sie mit etwa einem halben Liter Birkensaft gefüllt. Ich trank ein paar Schlucke, ließ es dabei aber auch schon bleiben. Bevor wir nicht mehr Flaschen fanden oder die Möglichkeit hatten, das Flusswasser abzukochen, musste immer noch an Wasser gespart werden.
Ich steckte die Flasche wieder an ihren Platz und ging zu Niklas zurück. Er saß auf einer dicken Wurzel und ich nahm neben ihm Platz. Für einige Minuten schauten wir schweigend auf unser Lager und den etwas tiefer liegenden Fluss dahinter. Ich bekam das Gefühl, dass Niklas etwas sagen wollte. Prompt fragte er: „Meinst du nicht, dass wir Nachtwachen einführen sollten? Hier könnten sich andere Menschen befinden. Oder wilde Tiere. Da sollten wir aufpassen. Und was ist, wenn ein Waschbär oder ein Wildschwein kommt und alle unsere Essensvorräte auffrisst“
Ich musste lachen. Doch es stimmte, was er sagte, das Risiko war einfach zu hoch.
„Du hast recht. Wir sollten das heute Abend beim Lagerfeuer besprechen.“
Er nickte zufrieden. Durch sein Anliegen auf ein Gesprächsthema gebracht, fragte ich: „Glaubst du denn, es gibt hier andere Menschen in der Nähe?“
Wir hatten zwar die Plastikflaschen entdeckt, doch die waren oft fast vollständig im Boden vergraben, außerdem meist nicht mehr als ganzes Stück vorhanden. Es hatte definitiv nicht so ausgesehen, als wären sie frisch dort hingeworfen worden. Sonstige Anzeichen auf Menschen hatten wir nicht gefunden. Die Natur schien unberührt.
„Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass es hier keine Menschen gibt. Da müssten wir ja schon auf einem anderen Planeten sein. Aber vielleicht befinden wir uns auch auf einer unbewohnten Insel“
Die Idee mit der Insel gefiel mir irgendwie. Aber wie waren wir auf diese Insel gekommen? Und wieso waren wir, acht Jugendliche aus einem RageMode Clan, hier zusammen aufgewacht? Auch die Rucksäcke, die wir bei uns hatten, waren mysteriös, doch die Gegenstände, die wir darin gefunden hatten, hatten mit Sicherheit unser Überleben gesichert. Vor allem ohne die Messer wären wir wirklich aufgeschmissen gewesen.
Solche Fragen stellte ich mir bereits die ganze Zeit, seit ich hier aufgewacht war, so wie eigentlich alle von uns.
Ich dachte noch eine Weile darüber nach, Niklas schien das gleiche zu tun, und so saßen wir noch einige Zeit stumm auf unserer dicken Wurzel.


Kapitel 4
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Inzwischen war unser gesamtes Lager aufgewacht und auf den Beinen. Die meisten sahen genauso müde aus, wie ich es war. Am schlimmsten hatte es aber Joel und Avaron erwischt. Sie hatten sich am Vortag einen gemeinsamen Unterschlupf gebaut, so wie ich es mit Julian auch getan hatte. Jedoch hatten sie sich ein einzelnes Bett aus langen Stämmen gebaut, auf dem sie dann hintereinander lagen. Dies hatte sich aber als ziemlich schlechte Idee erwiesen: „Nach ein paar Stunden, als wir beide schon eingeschlafen waren, zerbrach auf einmal ein Ast des Bettgestells! Und dann gleich ein zweiter und ein dritter“, erzählte Avaron, „dadurch lag dann das ganze Bett schräg, sodass Joel langsam auf mich herabrutschte!“
„Und dann musste ich natürlich auch aufgeweckt werden, damit wir das Bett irgendwie wieder aufbauen konnten“, fügte Joel, der das Ganze lustig zu finden schien, grinsend hinzu, „doch das hat nicht mehr wirklich funktioniert. Die gebrochenen Äste konnten wir schlecht weiterhin benutzen und auch das restliche Gestell hat instabil gewirkt. Wir haben dann unsere Stämme auf den Boden gelegt, wo sie aber immer leicht auseinander gerollt und Lücken entstanden sind. Im Endeffekt haben wir beide auf dem Boden geschlafen.“
Niklas hatte tatsächlich viel mehr weiche Zweige als ich in seiner Matratze eingebaut. Damit diese zusammengehalten wurden und nicht herunter fielen, hatte er sie zusammengebunden. Dafür hatte er Zweige einer Weide benutzt, die, wie er festgestellt hatte, sehr biegsam sind. Valentin und Mathis hatten das ähnlich gemacht und sie alle konnten von halbwegs gutem Schlaf berichten. Damit stand mein Plan fest, mir heute eine bequemere Matratze zu bauen.

Zuerst wollte ich mir Zweige holen. Dazu ging ich an den Baumzapfstellen vorbei ein paar Meter in den dichter werdenden Wald hinein, bis ich ein paar Fichten fand. Von diesen knickte ich dann einige Äste ab und nahm so viel mit, wie ich tragen konnte. Trotzdem musste ich noch ein zweites Mal gehen, um genug zu haben. Nun hatte ich also einen Haufen Zweige, die ich auf mein Bett legen konnte. Es erschien mir aber nicht sinnvoll, diesen Haufen jetzt auf mein Bett zu werfen, denn spätestens wenn ich mich drauflegte würde die Hälfte wieder herunter fallen. Ich musste das alles zumindest lose zusammenbinden. Doch womit? Ich beschloss mich einfach mal im Wald umzusehen. Bei ein paar dünnen Zweigen testete ich deren Biegsamkeit, aber sie gefielen mir alle nicht. Sie ließen sich zwar biegen, doch es würde sehr schwer werden sie am Ende zu verflechten oder zu verknoten. Schließlich fand ich auf dem Boden abgestorbene Teile von irgendwelchen Ranken. Ich hob eines auf und bemerkte sofort, dass es biegsam genug war. Ich erwartete jedoch, es leicht zerreißen zu können. Tatsächlich schaffte ich es aber nicht, zumindest nicht mit bloßen Händen. Also sammelte ich alles davon auf, was ich finden konnte, und ging glücklich zurück in unser Lager.
Es fiel mir leicht, alles so zusammenzubauen, wie ich es geplant hatte, und mit dem Ergebnis war ich zufrieden: Ich hatte nun eine wirklich bequeme Matratze, auf die ich mich auch gut setzen und sie als Stuhl gebrauchen konnte.
Inzwischen wurde ich auch etwas hungrig. Sofort erinnerte ich mich an Beeren, die ich im Wald entdeckt hatte. Nach wenigen Minuten hatte ich die Sträucher gefunden und es brauchte nicht viele Beeren, um meinen Hunger zu stillen. Auf dem Rückweg trank ich noch ein paar Schlucke aus einer der Flaschen.
Da ich nicht untätig sein wollte, ging ich zur gegenüberliegenden Seite des Camps, wo sich der Fluss befand Dort traf ich auf Niklas, Valentin und Mathis, sie waren alle drei am Fischen. Die Fische waren unser Hauptnahrungsmittel, denn sie waren hier in sehr großer Zahl vorhanden und wir konnten sie gut fangen. Dazu benutzten wir kleine selbstgebaute Fallen. Wir hatten die vorderen Enden von Plastikflaschen abgeschnitten und andersherum wieder am restlichen Teil befestigt, sodass also die ehemalige Flaschenöffnung nun in die Flasche hineinzeigte. Köder wie Würmer oder Teile von anderen Fischen legten wir dann in die Flasche hinein, zusammen mit kleinen Steinen, die die Flasche beschweren sollten. Sobald ein Fisch, vom Geruch des Köders angelockt, also in die Falle schwamm, kam er durch den umgedrehten Flaschenhals nicht mehr so schnell wieder heraus. Dann zogen wir die Flasche mit einer vorne befestigten Schnur aus dem Wasser, und schon hatten wir einen Fisch gefangen, der später über der Glut des Lagerfeuers gebraten werden konnte. Diese Fangmethode hatte jedoch zwei große Nachteile: Zum einen konnten wir so nur kleine Fische fangen, da Größere nicht durch die Öffnung passten, zum anderen waren fast den ganzen Tag lang immer zwei Leute an unseren beiden Fischfallen beschäftigt, weil die Fallen ja ständig aus dem Wasser gezogen werden mussten, bevor die Fische wieder herausfanden, und weil nur so der Fang ausreichte, um uns alle satt zu machen. Beide Probleme ließen sich ganz gut lösen, wenn wir uns eine Angel bauen könnten, doch uns fehlte Material für den Angelhaken. Beschweren konnten wir uns über die Situation aber nicht, denn immerhin war der Fischfang eine sichere Nahrungsquelle. Überhaupt war der ganze Fluss ein riesiges Glück. Er hatte fast keine Strömung, auf den ersten Blick konnte man sogar meinen, er würde gar nicht fließen. Gerade an dieser Stelle war er besonders ruhig und breit und an den Rändern mit vielen Pflanzen bewachsen, sodass sich hier so viele Fische aufhielten. Wir konnten nur die Kleinen fangen, aber dafür viele. Und sie schmeckten eigentlich auch gar nicht so schlecht.
Langsam und vorsichtig ging ich nun auf die anderen zu, damit ich die Fische nicht verscheuchte. Es gelang mir jedoch nicht, gerade als ich mich neben Mathis setzte, schwammen alle Fische aufgeschreckt davon. In dem Moment hörten wir hinter uns Joel laut „Scheiße!“ rufen, daraufhin folgte Gelächter von ihm und wohl auch von Avaron.
„Was haben die denn schon wieder angestellt“, fragte Valentin grinsend.
„Wahrscheinlich ist ihnen ihr Unterschlupf schon wieder zusammengefallen“, meinte Mathis, „das wäre dann schon das dritte Mal heute.“
„Die sind echt nicht gerade die größten Baumeister“, sagte ich lachend.
„Oh ja, da hast du recht“, lachte auch Valentin, „ich schaue lieber mal nach was die da so machen. Wollte ihnen sowieso helfen. Kannst du das hier übernehmen, Tim?“
„Klar“, erwiderte ich und nahm die Schnur mit der Fischfalle entgegen, die er mir hinhielt. Niklas, der anscheinend eh nichts zu tun hatte, schloss sich Valentin an und die beiden standen auf. Dabei verjagten sie die ersten Fische, die sich bereits wieder aus den dichten Wasserpflanzen zu uns herausgetraut hatten. Doch das war kein Problem, denn nach nicht einmal einer Minute waren manche wieder da und nach etwa zwei Minuten so viele wie normal immer. Schnell hatte ich meinen ersten Fisch gefangen. Ich zog die Falle heraus und schüttete vorsichtig etwas Wasser wieder in den Fluss, um den Eimer, in den wir die Fische warfen, nicht unnötig zu füllen. Den Eimer hatte Julian damals in seinem Rucksack gefunden. Als ich den restlichen Inhalt der Flasche in den Eimer schüttete, war Ich ziemlich enttäuscht, denn ich sah, wie wenig die anderen bis jetzt gefangen hatten. Es sah so aus, als müsste ich noch den ganzen restlichen Tag mit Fischen verbringen.


Kapitel 5
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Ich hatte tatsächlich noch einige Stunden lang Fische gefangen, wobei mir Mathis die meiste Zeit Gesellschaft geleistet hatte. Dennoch war es langweilig gewesen, die ganze Zeit nur herumzusitzen und nicht wirklich etwas zu tun. Nun war es aber Abend, das Lagerfeuer brannte bereits, und ich stand auf, um meine Fische zum Feuer zu bringen. Dort fuhr Mathis dann fort und briet die Fische über der Glut. Wir zündeten jeden Abend etwa zu Sonnenuntergang unser Lagerfeuer in der Mitte des Camps an und setzten uns drum herum, aßen und unterhielten uns. Ich grüßte Julian und setzte mich neben ihm vor unseren gemeinsamen Unterschlupf. Rechts von mir standen Joel, Avaron, Valentin und Niklas zusammen und sprachen miteinander. Neben ihnen konnte ich sehen, was sie die letzten Stunden getan hatten: Dort stand nämlich eine Art kleine Hütte für Avaron und Joel. Sie hatte sogar ein Dach aus dicht verbundenen Nadelzweigen und genügend Platz zum Schlafen für zwei Leute. Alles war fest zusammengebunden, sodass sie einen sehr stabilen Eindruck machte. Auch Nina, die gerade aus dem Wald herausgekommen war, schien das großartige Bauwerk sofort zu bemerken.
„Das habt ihr echt toll hinbekommen“, meinte sie.
„Tja, zusammen sind wir dann wohl doch ein starkes Team“, sagte Joel mit einem stolzen Grinsen.
„Demnächst heuern wir euch mal an“, sagte Julian, „wir brauchen unbedingt ein Dach. Wer weiß, wann es hier wieder regnet. Dann wollen wir nämlich nicht so dastehen wie das letzte Mal.“
Als ich daran dachte, wie wir alle an einem der ersten Tage komplett nass wurden - und es war damals wirklich nur ein kleiner Schauer gewesen – war es mir auch sehr wichtig, ein Dach zu haben.
„Klar, machen wir gern“, antwortete Valentin, „aber dafür müsst ihr an dem Tag fischen.“
Auch wenn das Fischen schnell langweilig wurde, konnte ich mit dieser Bedingung gut leben. Es war allemal besser, als völlig durchnässt zu sein.

Als die Fische fertig gebraten waren, war die Sonne schon untergegangen. Zu den Fischen konnten wir heute sogar leckere Beeren essen. Nina hatte sie im Wald gefunden und viele mitgebracht.
Nachdem wir uns satt gegessen hatten, sprach Niklas das Thema an, über das ich mich mit ihm schon unterhalten hatte.
„Wir müssen mal etwas besprechen“, fing er an. „Ich glaube, wir sollten Nachtwachen einführen. Denn nachts könnte uns alles Mögliche passieren. Wir wissen ja überhaupt nicht, was es hier in der Umgebung für Tiere und Menschen gibt.“
„Hoffentlich gibt es Walrosse“, sagte Joel ganz begeistert und einige lachten.
„Spaß beiseite, ich finde, er hat recht“, fügte er noch hinzu.
„Ich auch“, sagte Julian und ihm schlossen sich nacheinander auch alle anderen an.
„Dann wäre das schonmal beschlossen“, nahm ich das Wort an mich. „Ich würde vorschlagen, dass die Wache immer zu zweit abgehalten wird und etwa in der Mitte der Nacht ein Wechsel stattfindet, damit jeder zumindest eine halbe Nacht schlafen kann. Ich denke, das sollte dann kein Problem sein.“
Einwände gab es dazu keine.
„Wollen wir einen festen Plan zur Aufteilung der Dienste erstellen oder machen das einfach jede Nacht freiwillig zum Beispiel die, die am wenigsten müde sind?“
„Ich würde da lieber einen Plan machen, sonst machen immer dieselben die Drecksarbeit“, meinte Nina.
„Aber manche brauchen eben mehr Schlaf als andere“, erwiderte Julian.
Niklas meinte: „Wir probieren das erstmal ohne einen konkreten Plan und schauen wie das läuft. Wenn es nicht funktioniert, machen wir uns einen Plan. Aber ich glaube wir kriegen das hin, dass jeder einmal dran ist.“
Mit diesem Vorschlag waren alle zufrieden.
Da ich mich noch sehr wach fühlte und sowieso nicht einschlafen könnte, meldete ich mich direkt zur ersten Schicht.
„Ich schließe mich dir an“, sagte Mathis.
Niklas und Valentin erklärten sich bereit, die zweite Schicht zu übernehmen.
„Weckt uns einfach, sobald ihr schlafen wollt. Ich zumindest habe kein Problem damit, wenn ich die nächste Nacht wenig schlafe“, sagte Valentin und Niklas nickte.
Jetzt hatten wir uns nicht mehr viel zu sagen und so langsam gingen alle zu ihrem Bett. Mathis überprüfte, was vom Essen übrig geblieben war. Die Beeren hatten wir alle aufgegessen. Aber es war wohl noch einiges an Fisch da.
„Da haben wir so viel gegessen, und es sind immer noch fünf große und sechs kleinere Fische da. Das war echt ein guter Fang heute!“
Mathis packte die übrigen Tiere in große Palmblätter ein. Ich half ihm dabei, diese zu verknoten.
Schließlich legten wir die verpackten Fische beiseite und setzten uns ans Feuer in der Erwartung einer langen Nacht.


Etwa fünf Stunden lang hatten wir vor dem Lagerfeuer gesessen, dann waren wir so müde gewesen, dass wir es nicht mehr aushielten und hatten leise Valentin und Niklas geweckt. Sie hatten dann für uns übernommen und Mathis und ich waren sofort in die Betten gefallen. Durch meine endlich bequeme Matratze fühlte ich mich am Morgen aber doch ganz gut erholt. Nachdem ich von Stimmen und anderen Geräuschen geweckt wurde, stand ich auf, richtete mich diesmal auch nicht sofort komplett auf und kam schmerzfrei aus meinem Unterschlupf heraus. Wie ich bereits erwartet hatte, waren alle auf den Beinen, bis auf Mathis, der noch auf seinem Bett saß und sich die Augen rieb.
„Na, gut geschlafen?“, fragte ich ihn.
„Dafür, dass die Nacht so kurz war, ganz gut.“
„Bei mir das gleiche“, erwiderte ich mit einem Nicken.
Ich ging ein paar Schritte weiter zum Lagerfeuer, das im Moment nur ein großer Haufen verbrannter Holzscheite und Asche war.
Wenn ich jetzt geradeaus blickte, konnte ich weite, flache Wiesen sehen. Links von mir befand sich der Fluss. Er machte nach einigen hundert Metern eine große Rechtskurve und zog sich so durch die weiten Wiesen vor mir. Hinter dem Fluss war eine Graslandschaft zu sehen, die immer hügeliger wurde. Ich hatte das Gefühl, die Umgebung noch nie so genau wahrgenommen zu haben. Ich drehte mich um 180°, sodass ich über meinen eigenen Unterschlupf hinweg schaute, und sah eine bewaldete Hügelkette, die sich zu meiner jetzigen linken Seite herüberzog. Links wurde der Wald dichter, dort hatten wir auch unsere Zapfstellen an den Bäumen und holten das meiste Baumaterial her. Ich fragte mich dann auf einmal: Was befindet sich wohl hinter der Hügelkette? Wie weit setzt sich die Graslandschaft noch fort?
Um das herauszufinden, würden wir in die verschiedenen Richtungen gehen und nachschauen müssen. Für solche Expeditionen brauchten wir hauptsächlich Proviant. Und da fielen mir die vielen Fische ein, die am Vorabend übrig geblieben waren, sie sollten reichen, um uns zumindest für einen halben Tag satt zu halten. Ich holte schnell die anderen zusammen, um ihnen begeistert von meiner Idee zu erzählen.
„Und was hast du dann davon? Dann weißt du, dass nach fünf Kilometern Wiese ein großer Berg kommt, den wir eh nie besteigen können. Na toll!“, meinte Nina. Enttäuscht blickte ich sie an, damit hatte ich nicht gerechnet. „Wir können uns doch nicht nur an einem Punkt aufhalten, ohne zu wissen, was um uns herum los ist. Vielleicht verpassen wir ja das Beste, wie zum Beispiel besseres Baumaterial, oder Essen in irgendeiner Form.“
Während Nina immer noch nicht überzeugt war, schien Julian begeistert zu sein. „Jaa, so ne Expedition, das wär schon was!“
„Fände ich auch cool“, meinte Avaron, Joel nickte ebenfalls.
„Und wo wollt ihr Proviant hernehmen?“, fragte Nina.
Ich erzählte ihr von den Resten des gestrigen Abends, doch sie wandte ein, dass wir für diesen Abend ja auch wieder etwas bräuchten.
„Das stimmt, deshalb muss mindestens Einer von uns hier bleiben. Außerdem wäre es sinnvoll, das Feuer an zu haben, damit wir uns beim Rückweg eventuell am Rauch orientieren können“, sagte ich.
Damit war dann jeder einverstanden.
„Ich würde dann hier bleiben“, sagte Nina, „leistet mir noch jemand Gesellschaft?“
Dafür meldete sich Niklas.
Der Rest fand sich zu drei Teams aus je zwei Leuten zusammen: Valentin und Mathis, Avaron und Joel, Julian und ich. Valentin und Mathis wollten in Richtung Süden gehen, was bedeutete, dass die den Fluss überquerten und sich die Hügel dahinter genauer ansahen.
Avaron und Joel wollten genau dem Flussverlauf folgen, der zuerst nach Westen zu den weiten Wiesen verlief und dann eine Kurve nach Norden machte.
Julian und mich interessierte der Osten am meisten, denn dort befand sich der steilste Teil der Hügelkette und wir wollten herausfinden, was sich dahinter verbarg.
Wir packten uns alle ein Messer ein, Julian und ich bekamen die Machete, weil wir durch den Wald gehen mussten. Auch Wasser nahmen wir natürlich alle mit und die Fische wurden aufgeteilt. Kein Team sollte sich viel länger als zwei Stunden von unserem Camp entfernen und natürlich immer den Weg zurück kennen. Zur Hilfe dafür wollte Niklas das Lagerfeuer stark anfeuern, damit wir den Rauch aus einiger Entfernung noch ausmachen konnten. Schließlich standen wir alle mit unseren Rucksäcken startklar zusammen, wünschten uns viel Erfolg, und jeder ging in seine Richtung los.


Kapitel 6
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Durch den Wald konnten wir uns mit Leichtigkeit durchschlagen. Auch nach 200-300 Metern war er nicht viel dichter als beim Camp, wo er begonnen hatte, sodass Julian und ich die Machete gar nicht benutzen mussten. Trotzdem kamen wir nicht besonders schnell voran, denn das Gelände schien immer steiler anzusteigen und wir mussten uns oft an Ästen von Bäumen oder Sträuchern oder Wurzeln von Bäumen festhalten, um höher zu gelangen, ohne abzurutschen. Manchmal versperrten uns auch riesige Steine oder Felswände den Weg. Als wir gerade über etwas Geröll gestiegen waren, blieb ich kurz stehen, um zu verschnaufen.
„Anstrengender, als ich gedacht hätte. Der Hügel sah doch gar nicht so hoch aus, gefühlt sind wir ihn schon dreimal hochgestiegen“, meinte Julian und ich nickte zustimmend. Er blickte zurück in die Richtung, aus der wir gekommen waren, und ich sah, wie er die Stirn runzelte. Seinem Blick folgend erkannte ich sofort, was Julian entdeckt hatte: Abgeknickte Äste. Es schien eine Fichte zu sein, an der einige Äste abgeknickt worden waren.
„Ich verstehe das nicht. Hier war doch noch niemand von uns“, sagte Julian.
„Naja, anscheinend schon“, erwiderte ich schulterzuckend. Auch ich wunderte mich, denn eigentlich waren wir wirklich immer nur in den flachen Wald gegangen. Ich schaute mich mit einem neuen Blick um und erkannte noch mehr Spuren, hauptsächlich weitere fehlende Äste, aber an manchen Stellen sah es zum Beispiel auch so aus, als hätte jemand Stöcke vom Boden aufgehoben.
„Da waren wir ja echt blind“, stellte ich fest, während ich mir einen Strauch genauer ansah. Er hatte ziemlich elastische Zweige und ihm fehlten ein paar davon, diese waren recht unsauber mit einer Machete oder irgendetwas Ähnlichem abgeschnitten worden.
„Schon komisch“, sagte ich. „Aber wenn wir bei den anderen nachfragen, stellt sich bestimmt heraus, dass irgendjemand einfach schonmal hier war, um ein paar Baumaterialien zu sammeln.“
„Hm. Ja, da werden wir wohl mal fragen müssen. Wahrscheinlich ist wirklich nichts los und wir verschwenden hier nur unnötig Zeit. Also, weiter geht’s.“
Das ließ ich mir nicht zweimal sagen, da ich unbedingt wissen wollte, was hinter der Hügelkette lag. So macht ich mich sehr motiviert an den weiteren Aufstieg, auch Julian wirkte, als hätte er Spaß an unserem kleinen Ausflug.
Meine innere Uhr sagte mir, dass ungefähr eine Dreiviertelstunde vergangen war, als wir den höchsten Punkt des Hügels erreicht hatten. Hier oben war der Wald wieder weniger dicht geworden, sodass wir von einem großen Felsen aus einen weiten Blick über die gesamte Landschaft hatten, die sich uns nun neu eröffnet hatte.
Nach links und nach rechts - dem Sonnenstand nach zu urteilen war das Richtung Norden und Süden - zog sich unsere Hügelkette durchgehend bewaldet durch die Region.
Links kamen dann dahinter dann eher flache Wiesen, direkt geradeaus -Richtung Osten - war etwas wie ein See zu erkennen, von dem man nach Nordost jedoch kein Ufer mehr sah.
Dem allen schenkte ich jedoch wenig Beachtung, denn daneben gab es etwas viel beeindruckenderes zu sehen: Ein riesiges Gebirgsmassiv. Von Osten zogen sich Berge, viel höher als der Hügel, auf dem wir standen, nach rechts, nach Süden, ohne dass ein Ende in Sicht war. Es war in diesem Anblick zwar unvorstellbar, aber die Hügelkette hatte das Gebirge tatsächlich vollkommen verdeckt.
„Wow, damit hätte ich nicht gerechnet!“, sagte Julian, und mir ging es genauso.
Jedoch war ich auch etwas enttäuscht, denn wir hatten nicht viel neue Landschaft entdeckt. Die Berge versperrten uns den Blick und den Weg.
„Da kommen wir wohl nicht mehr weiter“, stellte ich deshalb fest.
„Sieht ganz so aus“, meinte auch Julian.
Wir saßen noch ein paar Minuten auf dem Felsen und genossen die beeindruckende Aussicht, dann fragte ich, ob wir wieder zurück gehen wollten. „Von mir aus“, war Julians Antwort, „weißt du den Weg?“
Ich nickte, stieg vom Felsen herab und lief langsam zurück, Julian folgte mir.
Auf ungefähr halber Strecke setzten wir uns auf einen umgestürzten Baumstamm und machten Rast, um etwas zu trinken. Wir packten auch zwei größere Fische aus, die wir mitgenommen hatten. Während dem Essen hielt Julian auf einmal inne. Ich wusste sofort, weshalb, auch ich hatte gehört, wie jemand etwas gerufen hatte.
Suchten uns die anderen? War etwas passiert? Zu lange weg waren wir ja mit Sicherheit nicht gewesen.
Wieder ertönte ein Ruf, diesmal lauter, aber immer noch unverständlich.
Julian und ich standen gleichzeitig auf, um nachzusehen, was los war. Ein großer Felsen versperrte nämlich unsere Sicht in Richtung des Geräusches. Wir wollten gerade um diesen Felsen herumgehen, als wir wieder etwas hörten. Diesmal war es auch verständlich: „Siimoon!“, rief jemand.
Ich schaute Julian an und er sah genauso erschrocken aus wie ich. Bei uns gab es keinen Simon! Außerdem hatte ich die Stimme, die gerufen hatte, noch nie gehört.
Sofort duckten wir uns wieder hinter den Felsen und lauschten.
„Jaa, hier bin ich!“, rief nun eine zweite Stimme. „Was gibt es denn?“
„Schau mal, was ich gefunden hab“, kam die Antwort. „Das sind eindeutig Spuren von irgendwelchen anderen Leuten! Guck, überall Fußspuren und abgeknickte Äste.“
Das waren natürlich unsere Spuren. Sie hatten den Weg gefunden, den wir gegangen waren.
Mich packte panische Angst. Was, wenn die beiden uns nicht freundlich gesinnt waren? Oder es gar noch mehr von ihnen im Wald gab? Was, wenn sie bewaffnet waren?
Julians Augen waren riesig, wir waren in die Enge getrieben. Wenn die beiden Fremden den Spuren nur noch ein wenig weiter folgten, würden sie unsere Rucksäcke entdecken. In dem Moment sah ich unsere Machete, die neben meinem halb ausgeräumten Rucksack lag. In meiner Panik wollte ich nicht unbewaffnet dastehen, deshalb beschloss ich, mir die Machete zu holen. Höchst angespannt schlich ich die wenigen Schritte zurück zu unserem Rastplatz, während mir Julian nur entsetzt zusah. Fast ohne Geräusche und unbemerkt war ich bei meiner Waffe angekommen. Als ich sie jedoch aufhob, raschelten einige Blätter. Das reichte aus, um nicht mehr unentdeckt zu bleiben. Ich hörte schnelle Schritte und plötzlich erschien ein Junge an der rechten Seite des Felsens. Reflexartig hielt ich ihm die Machete entgegen.
„Oh, okay. Ok, ok, ok!“ Mehr brachte er gerade nicht heraus und wich mit leicht erhobenen Händen zurück.
Nun sprang Julian mit den Worten „Tim, leg das sofort weg!“ herbei. Der fremde Junge stieß einen kleinen Schrei aus, er hatte Julian davor anscheinend nicht gesehen. Ich gehorchte und legte meine Waffe mit zitternder Hand neben mir auf den Boden. Jetzt kam auch der zweite Junge dazu. Er schien etwa in meinem Alter zu sein, der erste wirkte ein bisschen jünger. Wie auch wir trugen sie beide recht schmutzige Klamotten und schauten uns erschrocken an.
„Ähh, wo kommt ihr denn auf einmal her“, fand ich als erster meine Sprache wieder. „Wir dachten, wir wären allein hier in der Gegend.“
„Na, das gleiche dachten wir auch“, antwortete einer der beiden Jungen.
„Dann seid ihr also auch vor ein paar Tagen einfach hier aufgewacht?“, hakte ich nach.
„Ganz genau. Mit unseren Rucksäcken voller Proviant natürlich“, meinte der Eine und deutete auf den Rucksack auf seinem Rücken
Das passte zusammen, bei uns war es genauso gewesen. Es wunderte mich aber, dass ihre voller Proviant waren, davon war bei uns nämlich fast überhaupt nichts vorhanden gewesen.
„Ich heiße übrigens Tim“, sagte ich und die beiden Fremden stellten sich als Simon und Tobias, bzw. kurz Tobi, vor.
Wir luden sie ein, mit zu unserem Camp zu kommen, und so gingen wir dann zu viert los. Nach wenigen Minuten war eine Rauchfahne zu sehen, die von unserem Lagerfeuer stammen musste. Niklas hatte gute Arbeit geleistet, denn der Rauch war gut zu erkennen und leitete uns den Rest des Weges.


Kapitel 7
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Am Camp angekommen lief uns Nina schon entgegen.
„Hää? Wieso seid ihr zu viert? Wer sind die beiden denn?“, fragte sie verblüfft. Sie schien das Messer, das sie vom Zubereiten der Fische in der Hand hielt, fester zu halten und Tobi, der ihr am nächsten stand, machte einen Schritt zurück.
„Ich bin Simon!“, sagte derselbe mit einem fröhlichen Lächeln.
„Äh, hi, ich bin Nina“, sagte sie, offensichtlich verwirrt.
Tobi starrte nur feindselig und ängstlich auf das Messer in Ninas rechter Hand.
„Es ist alles gut“, meinte ich, „sie sind uns nicht feindlich gesinnt. Sie sind anscheinend welche wie wir. Lass uns später mit allen darüber reden.“
Ich hatte keine Lust, jedem einzeln zu erklären, wer die beiden genau waren und wo sie herkamen.
Nina wirkte zwar immer noch verwirrt, aber beruhigt. Sie bemerkte das Messer in ihrer Hand, ließ es sofort sinken und ging mit einem Nicken zurück zu ihrem Platz, um weiter Fische auszunehmen.
Wir vier gingen weiter, um Niklas zu begrüßen. Der hatte uns schon bemerkt, war aber beim Feuer geblieben und feuerte es ständig an. Das war auch richtig so, schließlich sollten uns die restlichen zwei Expeditionsteams auch wiederfinden.
„Gute Arbeit mit dem Feuer“, lobte Julian, „der Rauch ist tatsächlich sehr gut sichtbar.“
„Danke. Ich verwende teilweise das feuchte Holz, das raucht nämlich mehr. Aber wen habt ihr denn da mitgebracht?“ Natürlich war auch Niklas etwas verwundert darüber, dass wir auf einmal als doppelt so großes Team zurück kamen. Erschrocken schien er jedoch keinesfalls.
„Ach, die haben wir im Wald gefunden“, grinste ich. „Später, wenn alle da sind, erzählen sie selbst bestimmt mehr.“
Der Rauch ließ mich jetzt schon husten und meine Augen brennen, ich fragte mich, wie Niklas es so lange aushalten konnte, direkt am Feuer zu sitzen. Auf jeden Fall war ich dankbar, dass er es tat, und ich war auch Nina dankbar, die schon eine beachtliche Anzahl an Fischen zum Braten über dem Feuer vorbereitet hatte.

Wir hatten nicht lange warten müssen, bis Arvid und Joel aus dem Norden und Mathis und Valentin aus Richtung Süden zurückgekommen waren. Es war nicht mehr viel vorzubereiten gewesen, und als die Sonne unterging, saßen wir alle um das Lagerfeuer und brieten und aßen unsere Fische. Tobi schmeckten sie gut, aber Simon war überhaupt nicht begeistert.
„Er hat bis jetzt immer Chips oder Brote mit Salami gegessen, die in seinem Rucksack gewesen waren. Da kommen die Fische natürlich nicht ran“, erklärte Tobi.
„Außerdem hass ich Fisch!“, beschwerte sich Simon. „Aber ja, mit meinem Rucksack hatte ich Glück. Und wieder Glück hatten wir beide, als wir Tim und Julian getroffen haben. Unser Proviant war nämlich aufgebraucht.“
„Nun fangt aber mal von vorne an. Wie seid ihr auf diese Insel gekommen?“, fragte Mathis.
„Meint ihr etwa das hier sei eine Insel?“, kam zuerst die Gegenfrage von Tobi.
„Wir vermuten es inzwischen alle.“
„Okay. Also… dazu können wir gar nicht viel sagen“, antwortete Simon, „uns ging es beiden so, dass wir dort im Wald aufgewacht sind. Ich bin vor ihm aufgewacht. Zuerst dachte ich, ich würde träumen. Inzwischen glaube ich nicht mehr dran. Aber auf jeden Fall bin ich dann aufgestanden und sah Tobi ein paar Meter entfernt liegen, also habe ich ihn aufgeweckt. Ab da sind wir immer zusammen geblieben. Wir hatten beide einen Rucksack bei uns: In meinem waren, wie Tobi schon erwähnt hat, Chips, Brote und Salami, dazu noch einige Flaschen Wasser.“
Wie ich fand, war das ziemlich viel, so klein wie unsere Rucksäcke alle waren. Doch dann hielt Simon seinen kurz hoch und ich konnte sehen, dass er wirklich deutlich größer als die unseren war.
Tobi fuhr fort: „In meinem Rucksack waren auch einige Wasserflaschen, und ein Buch. Ein Buch über Möglichkeiten, in der Wildnis an Nahrung zu kommen. Das Buch ist aber auf Arabisch geschrieben. Deshalb glaubte ich nicht, damit viel anfangen zu können. Wir haben dann die letzten Tage nicht viel mehr gemacht, als auf der anderen Seite der Hügelkette herumzulaufen. Wir haben versucht, Pflanzen von Bildern aus dem Buch wiederzuerkennen. Das ist uns aber nur einmal bei einem kleinen Beerenstrauch gelungen. Sonst wächst in der Gegend aber auch einfach nichts. Unsere Vorräte waren dann heute morgen so gut wie aufgebraucht. Kein Essen mehr. Und das“ -er hielt eine halb volle 1-Liter-Plastikflasche in die Luft, die er aus seinem auch sehr großen Rucksack geholt hatte- „ist der letzte Rest Wasser, den wir haben. Es war wirklich gut, dass wir euch getroffen haben.“
„Was ist denn mit den ganzen anderen Flaschen? Die Rucksäcke sehen leer aus“, stellte Valentin fest.
„Na die haben wir natürlich weggeworfen. Wozu sollten wir denn den Müll mit uns rumtragen?“, fragte Tobi.
„Nicht euer Ernst“, sagte ich und andere stöhnten genervt oder verblüfft. „Solche Flaschen sind hier unglaublich praktisch! Wir wünschten, wir hätten mehr!“
„Ich denke, wir können die meisten leicht wiederfinden. Wir könnten sie morgen gleich suchen gehen.“ Tobi war das sichtlich peinlich und ich nickte, da wir ein paar mehr Flaschen tatsächlich gut gebrauchen konnten. (warn ja erst zu zehnt lol)
Julian erzählte von dem hohen Gebirge, das wir hinter der Hügelkette entdeckt hatten, um die Berichterstattung zu unserer Expedition abzuschließen.
„Bei uns war es nicht so spannend“, begann Joel, „der Fluss mündet nach etwa sechs Kilometern ins Meer. An der Küste, auf dem Meer oder am Fluss gab es auch nichts Besonderes zu sehen.“
„Doch, eine Sache“, fiel Arvid ein, „da gibt es eine Stelle beim Fluss, nur etwa 300 Meter von hier entfernt. Dort wird der Fluss sehr breit und überall liegen große Steine herum. An dieser Stelle treiben sich viel mehr Fische herum als hier bei uns. Und man kann auf den Steinen auch mitten im Fluss sitzen. Wir können da viel effektiver Fische fangen.“
„Das ist sehr praktisch“, meinte ich. „Haben jetzt ja zwei Leute mehr, die durchgefüttert werden müssen. Die müssen sich nämlich erstmal ihren Unterschlupf und so bauen.“
Jetzt war es an Mathis, von Valentins und seinem Ausflug zu erzählen: „Bei uns war es wieder deutlich interessanter. Nach etwa zwei Kilometern beginnt der Wald, den man ja auch von hier sehen kann. Dann geht es langsam immer weiter hinauf, und nach weiteren zwei Kilometern war der Wald so dicht und das Gelände so steil, dass wir nicht mehr weitergegangen sind. Das Interessante waren aber die Pflanzen im Wald. Denn der ist dort deutlich vielfältiger als hier, was die Pflanzen angeht. Immer wieder haben wir Büsche und Bäume entdeckt, die wir davor noch nie gesehen hatten. Diese Blätter waren sogar so außergewöhnlich, dass wir welche mitgenommen haben.“
Er kramte in seinem Rucksack und holte zwei Blätter heraus, die er herumreichte. Sie hatten tatsächlich eine ungewöhnliche Form, sie waren etwa so geformt wie ein ‚T‘.
Als Tobi die Blätter sah, runzelte er die Stirn.
„Die hab ich schonmal irgendwo gesehen“, meinte er und holte sein Buch aus seinem Rucksack. Er blätterte ein wenig darin herum und wurde schnell fündig. „Ja, genau, genau die Blätter sind hier im Buch! Und den Bildern nach zu urteilen, sind die gut essbar.“
Ich ließ mir das Buch reichen und betrachtete die Bilder. Auf einem kaute ein Mann mit Strohhut einfach auf einer Handvoll Blätter herum. Bei den anderen beiden Bildern sah man die Blätter vermischt mit Fleisch oder Fisch in einer Schüssel. Wie Salatblätter schienen sie genutzt werden zu können.
„Dann wird unser Speiseplan in Zukunft wohl zumindest ein bisschen Abwechslung bieten“, meinte Niklas. „Und wir sollten unbedingt mit Tobis Buch in diesen Wald gehen. Bestimmt können wir dann noch mehr Essbares finden.“
Dem konnten wir alle nur zustimmen.
„Ach, eine Sache war da noch…“, erinnerte sich Valentin.
„Dem Baum, dem wir die Blätter genommen haben, fehlten schon einige. An einer anderen Stelle haben wir einen Beerenstrauch gesehen, der komplett abgepflückt war. Jetzt, wo ihr auch noch Tobi und Simon gefunden habt, würde ich doch mal stark vermuten, dass es da noch mehr Menschen in der Nähe gibt.“


Kapitel 8
Sicht: NemesisTim [#R100]


„Tim? Aufstehen!“, hörte ich eine Stimme sagen.
„Mhh, was ist denn?“, fragte ich müde und drehte mich um.
„Steh endlich auf!“, antwortete die Stimme genervt. Plötzlich packten mich zwei Hände und zogen mich über den Boden. Dann sah ich, dass es Simoms war der mich weckte.
„Maan, was ist denn?“, beschwerte ich mich.
„Du sollst zu Eric und Pat“.
„Und was soll ich da?“. Langsam und lustlos richtete ich mich auf.
„Weiß ich doch nicht, dass wirst du sehen“.
„Und wo sind die?“.
„Am Fluss“, antwortete er und ging verließ die Hütte.
Ich stand auf und watschelte müde zum Fluss. Eric wartete bereits, allerdings nicht alleine, sondern mit einem anderen Jungen. Sie saßen kniend auf dem Boden und bastelten mit Stöcken und Steinen herum. Wenn es fertig war, sollten es wohl Speere sein.
„Heyho“ begrüßte ich die beiden. „Ihr braucht mich?“ fragte ich gähnend.
„Jep“ bestätigte er mir ohne mich anzusehen. „Du warst doch schon öfter angeln, oder?“ fragte er mich.
„Ja, aber nicht mit Speeren“, sagte ich mit einem leichten grinsen im Gesicht.
„Mit Speeren zu fischen bringt eh nichts. Wir fangen im Schnitt keine drei Fische am Tag. Davon wird doch niemand satt!“.
„Vielleicht seid ihr auch einfach zu blöd dafür“, sagte ich mit einem sarkastischen lachen.
„Ha Ha du Witzbold. Willst du uns etwa zeigen wie es geht?“.
„Ne Danke, lass mal“.
„War klar. Na ja, im Endeffekt haben wir damit nur Energie und Zeit verschwendet. Aber das soll sich heute ändern!“, sagte Eric übermotiviert und präsentierte mir einen Angelhaken.
„Pat hat ihn vorhin gefunden“, erklärte er und zeige auf den Typen links von ihm. „Er hing in einem Baum“, ergänzte Eric.
Ich musste kurz lachen. Das erinnerte mich zu sehr an früher. Ein Angelhaken im Baum ist nämlich nichts seltenes. Als ich noch regelmäßig mit meiner Familie angeln gegangen bin versenkte ich den ersten Wurf fast immer in einem Baum hinter mir. Beim ausholen habe ich die Distanz zu den Pflanzen hinter mir immer falsch eingeschätzt und schon war der erste Haken hinüber.
„Was gibt’s da zu lachen?“, fragte Pat und riss mich aus meinen Gedanken.
„Ach nichts. Also: Entweder wurde hier schon einmal geangelt, oder der Wind hat ihn her geweht“, stellte ich zur Auswahl.
„Der Wind?“, fragte Pat überrascht.
„Bei einem Unwetter..?“, erklärte Eric.
„Die Dinger sind recht leicht, deshalb fliegen sie auch gut“ bestätigte ich und musste wieder schmunzeln. Wenn die Schnur nicht mehr all zu stabil ist, beim auswerfen der Angel reißt, der Haken auf den Grund sinkt, und man die ganze Zeit auf den Schwimmer starrt und sich wundert warum nichts passiert Das waren noch tolle Zeiten.
„Und wofür braucht ihr nun meine Hilfe?“.
„Du sollst dir eine Angel bauen. Ich könnte es auch selber, doch ich überlasse es lieber wem mit mehr Erfahrung“, sagte er grinsend. Na super. Angeln macht mir doch gar keinen Spaß mehr. Seitdem ich die Fischereiprüfung bestanden hatte war ich kein einziges mal mehr angeln.
„In Ordnung“, sagte ich mit einem Augenrollen.
„Super. Pat? Du hilfst ihm?“.
„Jep“ antwortete er.
„Gut“, sagte er und stand auf.
„Und wohin willst du?“, fragte ich.
„Zum bauen einer Angel braucht man keine drei Mann“, antwortete er und machte sich aus dem Staub.
„Also, was brauchen wir?“ fragte mich Pat.
„Einen Stock. Ca. 2 - 5 Meter lang, robust, aber trotzdem flexibel“ antwortete ich und erwartete irgendwie
eine perverse Anspielung von ihm.
„Hmm, dürfte in einem Wald ja nicht all zu schwer sein“, meinte er.
Ungefähr fünf Minuten hat es gedauert, bis wir einen passenden Stock gefunden haben. Wir schätzen ihn auf ca. drei Meter. Ich legte ihn auf den Boden und band die Schnur mit dem Angelhaken an seine Spitze.
„So, fertig“, sagte ich und präsentierte Pat mein Werk.
„Ähm, jetzt wo ich mir das so ansehe.. Was benutzen wir eigentlich als Köder?“.
„Würmer. Die sind jedoch zu groß für den Fisch. Du darfst sie gerne ausgraben und in mehrere Teile schneiden, reißen, was auch immer“, antwortete ich.
„Bäh.. Kann das nicht Julius oder Simoms machen..?“.
„Das wird jeder von uns mal machen, also heul nicht rum“ antwortete ich kalt.
Er akzeptierte meine Antwort und wir gingen zurück ins Dorf wo Matthis bereits auf uns wartete. Alle saßen versammelt um das Feuer, welches Tom in der Zeit deutlich vergrößert hat. Als Patrick und ich uns zu den anderen gesetzt hatten begann Matthis auch schon.
„Wir sind nun über zwei Wochen hier, doch wir waren noch nie wirklich weit gelaufen um die Gegend zu erkunden. Bisher kennen wir uns im Süden, wo die Leute von TopRage ihren Unterschlupf haben, und im Osten recht gut aus. Daher möchte ich, dass sich jeweils zwei Leute von euch zusammentun und den Norden und Westen erkunden. Freiwillige?“.
„Ich!“ riefen direkt drei Jungs.
„Das nenn ich mal Engagement! Aber einer fehlt noch“, sagte Matthis.
Aus Angst mit anderen in ein Gespräch verwickelt zu werden, meldete ich mich zögernd.
„Perfekt! Tim? Du gehst mit dem anderen Tim nach Westen. Tom und Pat gehen nach Norden. Nehmt mit was ihr braucht. Seit gegen Sonnenuntergang wieder zurück“, befahl er uns.

Tim nahm was wir brauchten und wir gingen in Richtung Westen. Als wir den Waldrand erreichten konnten wir in der ferne schon das Meer sehen. Wir gingen weiter gerade aus, über ein paar Hügel und Wiesen, welche an manchen Stellen voller bunter Blumen waren. Wir sprachen nur sehr wenig miteinander, bis wir auf einem Hügel halt machten um etwas zu trinken.
„Matthis hat mich gebeten dich nicht mit unangenehmen Fragen zu löchern“. Ich schaute ihn kurz an, schaute dann wieder in die ferne aufs Meer. Ich streckte meine Hand zu ihm und er gab mir die Wasserflasche. Ich trank einen Schluck und fragte: „Es ist eine der wenigen Dinge die ich an mir hasse“, antwortete ich.
„Das wird sich schon noch ändern, glaub mir“, sagte er mit einem lachen.
„Hoffentlich..“.

Als wir einen etwas größeren Hügel bestiegen hatten, sahen wir in südwestlicher Richtung einen großen Sandstrand. Wir zogen unsere Schuhe aus und stopften unsere Socken hinein, damit sie später nicht voller Sand sind, und gingen in Richtung Meer.
„Anders als im Osten ist hier der Strand viel größer“, meinte Tim, als wir nach einigen Minuten immer noch nicht am Wasser angelangt waren. Bevor wir jedoch das Wasser erreicht haben, wurde unsere Aufmerksamkeit von etwas anderem geweckt. Es war ein Holzpfahl der ca. einen Meter aus dem Sand ragte.
„Vermutlich das Überbleibsel eines Schiffes“, vermutete ich.
„Schau! Dahinten ist noch einer!“, rief er.
„Wenn dies hier im Sand vergraben ist, dann ist hier bestimmt noch mehr vergraben als nur Holz“. Er nickte.
„Wir sollten jetzt zurück und morgen mit den anderen hierher kommen“, schlug er vor.
Wir gingen also zurück, obwohl ich zu gerne noch nach anderen Dingen im Sand gesucht hätte, es könnte ja schließlich alles mögliche dort vergraben sein.

Bevor wir alle schlafen gingen, erzählten wir den anderen von unserer Entdeckung.
Matthis beschloss, dass wir den Strand morgen erneut aufsuchen würden. Pat und Tom berichteten noch von ihren Entdeckungen. Der Wald würde in Richtung Norden fast bis zur zum Meer reichen. Abgesehen von ein paar neuen Früchten und Pflanzen schien der Norden wohl recht uninteressant zu sein. Wir saßen noch eine Zeit lang am Feuer und ich hörte den anderen bei ihren Gesprächen zu. Dann gingen wir in unsere nicht fertiggestellten Hütten, um zu schlafen. Ich hatte völlig vergessen, dass das Mädchen auch bei uns schläft, und war dementsprechend für einen kurzen Moment verwundert.
Simoms sah mich an und grinste schadenfroh. In dem Moment verspürte ich leicht die Wut in mir aufkommen, die hatte ich allerdings wieder schnell vergessen als Franzi bemerkte, dass jemand in ihrem „Bett“ gelegen hatte. Simoms hatte dies wohl schon öfter getan, denn sie ging direkt auf ihn zu und beschuldigte ihn. Nun grinste ich ebenfalls schadenfroh, was sich allerdings änderte als Franzi den nicht besonders stämmigen Simon zu Boden warf.
„Kinder..“, entgegnete Eric etwas genervt und machte es sich auf seinem Platz gemütlich.
Als Franzi mit einem herumliegenden Stock einen Schlag antäuschte ging ich dazwischen. Er muss schließlich nicht meinen Mist ausbaden.
„Ich wars“, sagte ich und sie sah mich überrascht und verwirrt an.
„Ich... wusste nicht, dass dort schon jemand schläft.. Tut mir Leid“, entschuldigte ich mich.
Sie nickte leicht und legte den Stock weg und ging an ihren Platz. Ich drehte mich um und reichte Simoms meine Hand und half ihm auf.
„Habt ihrs dann bald? Ich will schlafen“, sagte Eric genervt. Niemand antwortete. Simon ging an seinen Platz und ich suchte mir ein Plätzchen auf dem Boden, schließlich gab es hier nur drei Schlafplätze.

Am nächsten Morgen versammelten wir uns noch einmal kurz. Wir besprachen unser Vorhaben und aßen etwas bevor es dann losging. Tim und ich führten die anderen zu der Stelle, doch in dem Moment wo wir uns uns um den Pfahl versammelt habe, bemerkten wir etwas in der Ferne.. Es war eine kleine Gruppe von Menschen. Wir waren also nicht alleine...
 
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Die veröffentlichung des letzten Kapitels ist schon "etwas" her, doch hier ist ein weiteres aus der Sicht von 2_THW!
Damals war eigentlich geplant, dass Tim ein paar Kapitel schreibt, und ich danach in meiner Perspektive fortfahre. Angefangen habe ich damit auch, doch mitten drin bekam ich Privat ein paar Problemchen, welche es schwierig machten, effektiv weiter zu schreiben. Deshalb ging es nur sehr stockend voran, und leider wird es vorerst auch so bleiben.
Allerdings haben wir noch viele Ideen, und ich fände es schade, diese nicht umgesetzt mit euch zu teilen.
Trotz allem, viel Spaß beim lesen!
 
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Hallu Leute! Nach Monaten geht es endlich weiter, wenn auch nur langsam.. Kapitel 7 ist draußen, und 8 ist schon in Arbeit!

Man erkennt die wahre "länge" der Geschichte nicht, wenn zwischen den Kapiteln die Beiträge anderer stehen. Außerdem kann man, wenn man einmal im Flow ist, direkt durchlesen.
Daher eine kleine Änderung: Die neusten Kapitel findet ihr nun immer ganz unten im aller ersten Beitrag!
Ich werde allerdings immer einen neuen Post verfassen, damit man auch die Benachrichtigung bekommt, dass sich hier etwas getan hat.


Viel Spaß beim lesen! c:
 
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Falls du dich verschrieben hast und die Sicht meinst denke ich das nichts aus seiner Sicht kommen wird, da es in der Geschichte im Moment erst bekannt ist das Clans auf der Insel sind, er ist Clanlos und naja.... xd
Clanlose Leute werden ebenfalls vorkommen.

Eigentlich haben wir vor, nur aus den Sichten zu schreiben, die wir selber haben. Wir überlegen, einen "Erzähler" einzubauen, der dann auch mal etwas abwechslung in die Erzählperspektiven bringt.
 
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